Idar-Oberstein: Kostümkontrolle: damit kleine Jecken gefahrlos feiern können

Idar-Oberstein : Kostümkontrolle: damit kleine Jecken gefahrlos feiern können

Thomas Haubert nimmt einen Dolch aus dem Regal und lässt seine Finger über die Kanten gleiten. „Alles schön glatt und abgerundet”, sagt er und legt das Kunststoffteil zurück. Dann checkt er Kostüme - vom Piraten bis zur Prinzessin. Er schaut nach gefährlichen Schnüren, fehlerhaften Kennzeichnungen oder verschluckbaren Kleinteilen.

„Alles okay.” Der Kontrolleur der Gewerbeaufsicht Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz ist dieser Tage im Auftrag der Jecken unterwegs: Er kontrolliert Karnevalsartikel für Kinder in Geschäften. „Damit die kleinen Jecken an Karneval gefahrlos feiern und toben können”, sagt er.

Es ist in Rheinland-Pfalz derzeit eine einmalige Kontrollaktion, die die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz - Regionalstelle Idar-Oberstein - zur fünften Jahreszeit gestartet hat. Und: In einigen Läden sind die Prüfer fündig geworden.

Es seien einige Kostüme mit langen Schnüren im Verkauf gewesen, sagt die Bereichsleiterin für Produktsicherheit, Silvia Müller. Schnüre vor allem im Halsbereich könnten Kindern gefährlich werden, etwa wenn sie an Schlaufen hängenblieben. „Es besteht Strangulationsgefahr.”

Daher hätten Hersteller solcher Kostüme über die vergangenen Jahre Schnüre und Bänder durch Klettverschlüsse oder Druckknöpfe ersetzt, die leicht aufgingen, sagt sie. „Wir vermuten, dass die gefundenen Kostüme noch Altbestände in den Geschäften waren.”

Allgemein sei das Problem aber erkannt. Die Checks der Gewerbeaufsicht seien auch deshalb so wichtig, weil Kostüme & Co von Kindern nicht nur zu Karneval getragen würden, sondern das ganze Jahr über auch bei Geburtstagen und Partys. Bundesweit sind unregelmäßig Kostümkontrolleure im Einsatz.

Zu den Spielsachen, die die Prüfer bei ihren Stichproben mitgenommen haben, gehört auch eine hölzerne Axt. „Sie ist schwerer als eine aus Kunststoff. Das Verletzungsrisiko ist höher”, sagt Haubert. Zudem stünden keine Herstellerangaben darauf. „Da gilt generell: Finger weg!” Eltern von Kindern unter drei Jahren müssten besonders auf verschluckbare Kleinteile an Stäben, Kronen oder Kleidern achten.

Bei ihrem Karnevals-Check haben die Kontrolleure der Gewerbeaufsicht noch mehr im Blick: Sie prüfen, ob Spielsachen möglicherweise unzulässig hohe Schwermetallanteile enthalten. „Wir schauen neben Blei und anderen Schwermetallen vor allem auf den Cadmium-Wert”, sagt Hauberts Kollege Heribert Fuhr. Dabei kommt ein High-Tech-Messgerät zum Einsatz: ein Röntgenfluoreszenzanalysator. Für den Check in einem Spielwarenmarkt hat Haubert eine Hexenmaske und einen Bauarbeiter-Helm ausgewählt.

In einem Lagerraum hält Fuhr zum Röntgen das pistolenartige Messgerät etwa eine Minute auf die Spielsachen, bis er am Computerbildschirm abliest: „Die Grenzwerte für Cadmium sind nicht überschritten und es gibt auch sonst keine Auffälligkeiten.”

Heißt: Maske und Helm können bedenkenlos verkauft werden. Bei der Cadmium-Messung gehe es darum, eine mögliche Umweltgefährdung auszuschließen, erklärt er. Denn das Schwermetall habe eine lange biologische Halbwertzeit von 10 bis 30 Jahren.

Insgesamt habe sich die Qualität von Karnevalsartikeln über die vergangenen Jahre deutlich verbessert, sagt Kontrolleur Haubert. Manchmal sogar so sehr, dass die Kunden verwundert seien.

Beispiel Pistolen: Die dürften nicht mehr so laut knallen - und die Hersteller hielten sich auch an die akustischen Anforderungen. „Es gibt Leute, die bringen die Pistolen in den Laden zurück, weil sie so leise sind und sie denken, die Pistolen seien kaputt”, sagt Müller.

(dpa)