Düren: Konzert im Haus der Stadt: Mandolinen vermitteln Hauch Fernost

Düren: Konzert im Haus der Stadt: Mandolinen vermitteln Hauch Fernost

Im Foyer tauschten sich vor Beginn des letzten Konzertes der Vereinigten Industrieverbände (VIV) der Saison 2012/13 Gästegrüppchen darüber aus, ob das denn eigentlich gehe, Harfe, Gitarre und zwei Mandolinen. Letzteren trauten viele Klassikfans nicht so recht über den Weg. Gespannt waren sie alle.

Gut zwei Stunden später hatte der geneigte Besucher das Ergebnis: Es hatte zusammengepasst, und wie! Das Publikum wollten die vier Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen und bekam nach nachhaltigem Applaus seine lautstark geforderten Zugaben.

Jasmin-Isabel Kühne stimmte die Gäste in das Konzert ein. Foto: bel

Eingeleitet wurde das Konzert durch Harfenistin Jasmin-Isabel Kühne, die auch einen Teil der Werke moderierte. Kühne spielte gekonnt, teilweise virtuos und mit Hingabe das „Impromptu pour Harpe“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré, dessen Werke zur Spätromantik zählen. Alles auf der Bühne erschien romantisch, die Musik, feierlich und im Wechsel zwischen virtuosem Können und schemenhaft angedeuteten Klängen, die in ihrer Zartheit schon unirdisch daherkamen. Romantisch auch, wie eine zarte Frau eine riesengroße Harfe beherrschte.

Walzer und Tango

Von Frankreich ging die musikalische Reise über den Atlantik nach Argentinien. Diego Felipe Gaitan-Lozano trat mit seiner Gitarre in den Dialog mit der Harfe ein. Die „Suite Magica“ des argentinischen Komponisten Maximo Diego Pujol (1957) unterstrich, dass Harfe und Gitarre hervorragend harmonieren können. Die vier unterschiedlichen Sätze der Komposition (Preludio, Valse, Tango, Candombe) ließen einen Blick zu in die Gefühle und Leidenschaften der Menschen Lateinamerikas. Neben Walzermelodien dominierte letztlich — wie kann es anders sein — der Tango, der Rhythmus, der am besten geeignet ist, sich Südamerika und insbesondere Argentinien zu nähern.

Auf welcher Route die Musiker nach Japan flogen, verrieten sie nicht. Die Besucher im Haus der Stadt hörten aber die Klänge des Gastlandes Japan. Mandolinen erklangen, gleich zwei, gespielt von den russischen Zwillingsschwestern Ekaterina und Elizaveta Solovey. Zugegeben: Man hört diese Instrumente nicht so oft in der Öffentlichkeit. Was sie boten, war einfach spitze.

Ausgesucht hatten sich die Musiker drei Werke von Yasuo Kuwahara (1946). Auf hohem Niveau wurde gezupft, ein Tremolo jagte das andere. Mit den schnellen Tonfolgen im Ohr ließen die Musiker Japan und seine Lebensart vor dem geistigen Auge erscheinen. Kleinschrittige Passagen zeichneten das Bild einer bunten Mischung aus realem Geschehen, wie den Kampf gegen herbstliche Stürme in „The Song of Japanese Autumn“ oder Szenen aus Märchen und Liebesgeschichten in „Sky Blue Flower“ und „Weaving Girl“.

Gekonntes Zusammenspiel

Im zweiten Teil erklang mit der Musik von Hans Werner Henze (1926-2012) die Moderne. Auch hier überzeugten die Künstler in gekonntem Zusammenspiel. Von Deutschland ging es wieder einen großen Schritt gen Osten, nach Russland, zu Michael Glinka (1804-1857). Russlandkenner, Leser russischer Literatur und Fans russischer Musik sahen in „L‘Alouette“ die Weite Russlands aus der Perspektive „Der Lerche“ hinunter. Michael Glinka — und das bewies der Abend — gilt als einer der „Urväter der russischen Nationalmusik“, wie es im gedruckten Programm des Abends hieß.

Dann schloss sich der musikalische Kreis wieder. Mit fünf Stücken Astor Piazzollas (1921-1992) landete die vierköpfige Crew wieder in Argentinien. Wie wahrscheinlich überall auf dem Globus waren auch die Besucher im Haus der Stadt von den flotten, temperamentvollen, melancholischen, leisen und anrührenden Weisen fasziniert. Ein Mitschnitt des Konzerts ist am 27. Mai auf WDR 3 im Radio hören.