Kontra: Wir dürfen auf unser Land stolz sein

Kontra: Wir dürfen auf unser Land stolz sein

Ich empfinde Stolz. Ich bin stolz auf das, was meine Freunde, Familie oder ich selbst erreicht haben. Aber das war’s auch schon. Für mich bezieht sich Stolz auf einen sehr kleinen Kreis. Auf eine Nation stolz zu sein, ist veraltet und entspricht nicht dem Bild eines Weltbürgers.

Selbstverständlich kann man das, was Künstler, Politiker, Unternehmen oder auch Sportler unseres Landes erreicht haben, schätzen und würdigen. Aber dabei sollte das Ergebnis im Vordergrund stehen und nicht die Nationalität der Personen. Vor allem die junge Generation entfernt sich immer mehr von Landeszugehörigkeiten und Grenzen.

Die Digitalisierung hat unsere Welt längst zu einem „Global Village“ verwandelt, wie es schon 1962 der Medientheoretiker Marshall McLuhan angekündigt hatte. Es gibt keine Grenzen mehr im Kommunikations- und Informationsfluss. Aber auch physikalisch sind sie kaum noch spürbar: Reisen, Studieren im Ausland, Auswandern — all das ist alltäglich geworden, ein Indiz dafür, dass der Wunsch nach Nationalität abebbt. Und wenn man von Stolz spricht, bedeutet es meist auch mehr als nur Wertschätzung: Es bedeutet, dass uns etwas persönlich berührt, aber warum, wenn wir selbst nichts dazu beigetragen haben?

Manchmal geht es sogar weiter: 2014 rühmten sich die Fans mit dem Weltmeister-Titel, obwohl sie selbst nur zugesehen haben. Sie würdigten gemeinsam mit den Spielern den Gegner als „Gauchos“ herab — peinlich und noch ein Grund, nicht stolz zu sein.