Kommentar Freiwillige Bundeswehr Kramp-Karrenbauer

Kommentar zur Bundeswehr : Die Schnuppersoldaten

Die Kritiker sollten die Kirche im Dorf lassen. Der neue Freiwilligendienst bei der Bundeswehr ist nicht die Wiedereinführung der Wehrpflicht durch die Hintertür.

Er ist lediglich ein Lockanbot für junge Leute, die interessiert sind an Militärischem, aber nicht in den regulären Wehrdienst wollen. Ein halbes Jahr schießen lernen und Jeep fahren für 1550 Euro im Monat, anschließend ein bisschen Reservedienst. An diesem Modell ist angesichts von nur 1000 Plätzen im Jahr nichts Aufregendes. Allerdings wird die Bundeswehr sehr aufpassen müssen, dass sie damit nicht Bewerber anlockt, die mehr Begeisterung für Waffen hegen als für den demokratischen Staat.

Es fehlt an Gemeinsinn

Die Verteidigungsministerin und Noch-CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer verhehlt nicht, dass sie ein allgemeines Dienstpflichtjahr für alle anstrebt, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Richtig an diesem Vorschlag ist, dass es vielen Menschen an Gemeinsinn fehlt, allerdings beileibe nicht nur jungen. Und dass viele Bereiche ohne Freiwilligkeit nicht funktionieren.

Auf der anderen Seite wäre ein Zwangsjahr ein massiver Eingriff in Grundrechte; er muss schon sehr gut begründet sein. Zumal dem Verfassungsgericht schnell auffallen würde, dass derzeit nicht einmal für jeden Interessenten an einem Freiwilligen Sozialen Jahr ein Platz vorhanden ist.

Ehrenamtliche und Freiwillige sind hoch angesehen – haben aber wenig davon. Wie wäre es, wenn sie Ausweise bekämen, mit denen sie gratis Bahn fahren können (so wie die Bundeswehrsoldaten). Wenn sie überhaupt viel mehr Vorteile als bisher erhielten, bei Eintrittspreisen ebenso wie bei Wartezeiten auf Ausbildungsplätze. Statt einer Dienstpflicht wäre eine ausgeprägte Kultur der Freiwilligkeit für einen demokratischen Staat wie Deutschland die angemessenere Lösung. Und die Pflicht der Regierung, eine solche Kultur nach Kräften zu fördern.