Kommentar zum Unwort des Jahres: Klatsche für Dobrindt

Kommentar zum Unwort des Jahres : Klatsche für Dobrindt

Wer für das „Unwort des Jahres“ verantwortlich zeichnet, der hat eine ordentliche Klatsche bekommen. Punkt. „Anti-Abschiebe-Industrie“ war auch keine Zuspitzung in der Flüchtlingsdebatte, sondern eine Entgleisung. Alexander Dobrindt wird das gewusst haben, was Rückschlüsse auf seine Motive zulässt: Er wollte seinerzeit wohl dem rechten Rand gefallen und damit Stimmung für die CSU machen.

Der Schuss ist freilich nach hinten losgegangen, wie das miserable Ergebnis der CSU bei der Landtagswahl in Bayern gezeigt hat. Auch andere Verbal-Ausfälle der Christsozialen haben nicht gezündet – genannt sei nur der „Asyltourismus“, den Ministerpräsident Markus Söder Flüchtlingen unterstellte. Söder ist nach einer Welle der Empörung zurückgerudert, Dobrindt findet seine Wortschöpfung heute noch gut. Das ist schwach.

Die Wahl des „Unwortes des Jahres“ sollte die CSU als Mahnung begreifen. Sie verschiebt immer wieder die verbalen Grenzen nach rechts und besorgt damit nur das Geschäft der AfD. Dort reibt man sich die Hände über so viel Schützenhilfe. Dabei muss gelten: Grenzen gibt es auch in der Sprache, die man verwendet. Das gilt gerade für Politiker, die diesbezüglich eine besondere Verantwortung haben. Wer das ignoriert, der trägt Mitschuld daran, dass sich das gesellschaftliche Klima weiter verändert. Und zwar zum Schlechten.