Aachen/Städteregion: Keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben

Aachen/Städteregion: Keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben

Vor dem Tod hätten sie keine Angst, sagen viele. Aber vor dem Sterben. Der letzte Lebensabschnitt ist oft mit viel Unsicherheit und Leid verbunden, bei den Sterbenden ebenso wie bei den Angehörigen. Lange Zeit gab es keine oder fast keine Unterstützung für sie.

„Selbst in Krankenhäusern war das Thema Tod und Sterben eher tabuisiert”, sagt Veronika Schönhofer-Nellessen, Geschäftsführerin der Servicestelle Hospizarbeit in der Städteregion.

Doch das hat sich gründlich geändert. Mittlerweile haben alle Krankenversicherten gar einen Anspruch auf palliative, also schmerzlindernde, und hospizliche Versorgung am Lebensende.

Das ist nicht zuletzt den vielen engagierten Menschen in der Region Aachen zu verdanken, die sich haupt- oder ehrenamtlich dafür eingesetzt haben und es noch immer tun, dass Sterbende gut versorgt und begleitet werden.

Die Servicestelle, die den fachlichen Austausch der vielen Akteure aus ambulanten wie stationären Einrichtungen und Diensten organisiert, Fortbildungen anbietet und mit dem „Hospiztelefon” eine Anlaufstelle für ratsuchende Angehörige betreibt, feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.

Aber die Anfänge liegen viel weiter zurück. „In Aachen wurde 1986 das bundesweit erste stationäre Hospiz gegründet”, erzählt Schönhofer-Nellessen. „Und im Medizinischen Zentrum Würselen ist 1991 eine der ersten Palliativstationen in Deutschland eingerichtet worden.” Um beide Einrichtungen herum, zum Teil aber auch unabhängig von diesen, gab es zudem Arbeitskreise, die sich mit Sterbebegleitung auseinandergesetzt haben.

„Wir hatten also schon lange vor Einrichtung der Servicestelle an verschiedenen Stellen Puzzleteile, die unabhängig voneinander entstanden sind, aber immer auch im Austausch standen”, sagt Schönhofer-Nellessen, die von „bürgerschaftlichem Engagement” spricht, das „mit und mit die Profis begeistert hat”.

„Ende der 1990er Jahre kam dann der Wunsch auf, eine Stelle einzurichten, die das Ganze koordiniert”, berichtet Schönhofer-Nellessen. Wobei allen wichtig gewesen sei, dass die Stelle neutral und unabhängig ist, dass sie weder bei einem Verband noch bei einer Einrichtung aus dem Pflegebereich angesiedelt wird. „Deshalb ist man auf das Bildungswerk Aachen gekommen.”

2001 war es dann soweit, allerdings konnte die Arbeit nur in bescheidenem Umfang von fünf Wochenstunden hauptamtlich geleistet werden, zu mehr reichten die finanziellen Mittel nicht. Mittlerweile, sagt Schönhofer-Nellessen, ist die Arbeit weitgehend abgesichert über Landesmittel, Mitgliedsbeiträge und natürlich Spenden.

Einen großen Schub habe die Arbeit 2003 erfahren. Damals, erzählt Schönhofer-Nellessen, habe eine kleine Gruppe von Ärzten und Pflegekräften das Home Care Team gegründet, das sterbenskranke Menschen mit einer Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft zuhause versorgt, und das kostenlos für sie.

Und drei Jahre später hat der Aachener Karnevalsprinz Boris (Bongers) das Thema Hospiz und Palliativversorgung zu seinem Schwerpunktthema gemacht und dadurch für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt.

„Dadurch ist auch Ulla Schmidt, die damals Bundesgesundheitsministerin war, auf uns aufmerksam geworden”, erinnert sich Schönhofer-Nellessen. Und sie war - ebenso wie der damalige NRW-Minister Armin Laschet - beeindruckt davon, wie viele verschiedene Akteure über die Servicestelle vernetzt sind.

„Seitdem ist der Kontakt zur Landes- und Bundespolitik nie abgerissen”, stellt Schönhofer-Nellessen fest. Und dass Schmidt das Aachener Modell als Vorlage für die Gesundheitsreform im Jahr 2007 genommen hat, erfüllt sie schon mit Stolz.

Doch noch immer gibt es viel zu tun, meint Schönhofer-Nellessen, auch wenn es in der Städteregion inzwischen ein Netz von spezialisierten Diensten sowie gut qualifizierte Mitarbeiter in Heimen gibt. Die demografische Entwicklung zwinge geradezu dazu zu schauen, wie diese Qualität auch in Zukunft gehalten werden könne.

Das 87. Aachener Hospizgespräch am Samstag, 17. September, steht ganz im Zeichen des zehnjährigen Bestehens der Servicestelle Hospizarbeit, deren Geschäftsführerin Veronika Schönhofer-Nellessen seit dem Jahr 2005 ist.

Tagungsort ist das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion, Johanna-Neuman-Straße 4 in Eschweiler.

Ab 14 Uhr geht es in Vorträgen und Workshops um eine Bestandsaufnahme der hospizlichen und palliativen Versorgung in der Städteregion sowie um Visionen für deren Weiterentwicklung.

Ab 18.30 Uhr wird dann das Jubiläum gemeinsam gefeiert. Nach dem Buffet zeichnen frühere und heutige Akteure ein lebendiges Bild von den Anfängen bis heute, es gibt ein kleines Kabarettprogramm unter dem Titel „Aachen sucht den Super-Pall”, und anschließend darf getanzt werden.

Anmeldungen sind bis zum 10. September möglich bei: Bildungswerk Aachen, Servicestelle Hospizarbeit in der Städteregion, Adalbertsteinweg 257 in 52066 Aachen, E-Mail an info@servicestellehospizarbeit.de oder Tel.: 0241/5153490; Fax: 0241/ 502819.

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