Aachen: Karlspreis: Noch ist nichts entschieden

Aachen : Karlspreis: Noch ist nichts entschieden

Der Vorschlag von Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, den deutschen Bundespräsidenten und den türkischen Staatspräsidenten mit dem Karlspreis auszuzeichnen, ist vom Direktorium registriert worden.

Allerdings gab es am Freitag keinen Hinweis darauf, dass es tatsächlich so kommen könnte. Direktoriumssprecher Jürgen Linden: „Wir setzen uns natürlich mit jeder Idee auseinander.”

Eine Auszeichnung von Christian Wulff und Abdullah Gül hatte Künast damit begründet, dass beide Staatsoberhäupter in der Integrationsdebatte Sätze geprägt hätten, die ungeheure Schlagkraft entwickelten. Mit ihren übereinstimmenden Äußerungen zur Religionsfreiheit hätten sie Mut bewiesen - und Türen aufgestoßen für eine europäische Verständigung. Den Karlspreis hätten sich Gül und Wulff mit dieser Leistung eindeutig verdient.

In aller Regel entscheidet das Karlspreisdirektorium nicht auf Zuruf, begrüßt aber grundsätzlich, wenn Gedanken von außen herangetragen werden, „ob sie von normalen Bürgern oder prominenten Politikern kommen” (Linden). Bei den Sitzungen des Gremiums komme jeder einzelne Vorschlag zur Sprache.

Könnte der Künast-Beitrag möglicherweise etwas intensiver beredet werden? Linden: „Unsere Diskussionen sind grundsätzlich vertraulich, aber wir überlegen uns natürlich immer wieder neu, welche Botschaft wir diesmal aussenden wollen und welche Personen oder Institutionen dazu passen.” Mal gehe es um Erweiterung und/oder Vertiefung der der europäischen Gemeinschaft, mal stünden die Themen Integration oder Dialog der Kulturen/Religionen im Vordergrund.

Gegenüber den „Nachrichten” machte Linden kein Hehl daraus, dass es derzeit kein einfaches Geschäft sei, einen passenden Preisträger zu finden. Dies vor allem deswegen, weil sich Europa „in einer schwierigen Situation” befinde, zu erkennen an den großen Komplikationen bei der Regierungsbildung in Holland, Belgien oder Schweden (dort sind Rechtsaußenparteien so stark geworden, dass ohne sie nur schwer etwas läuft). Allerdings stehe außer Frage: „Auch 2011 wird der Karlspreis verliehen.”

Für die Grünen sitzt seit langen Jahren Ratsherr Hermann Josef Pilgram im Karlspreisdirektorium. Er sagte, „nach längerem Nachdenken” finde er die Anregung der Berliner Parteifreundin „durchaus interessant”, obwohl der Anlass für diesen Vorstoß wohl eher innenpolitische Motive habe. Echt gefreut habe er sich darüber , „dass Renate Künast den Karlspreis kennt”.

Noch etwas Zeit

Ansonsten teilt Pilgram Lindens Einschätzung, dass sich im Augenblick in Sachen Karlspreis noch keine Persönlichkeit so richtig aufdränge, „spontan fällt mir niemand von diesem Kaliber ein”. Allerdings habe man noch ein bisschen Zeit für die Suche, es sei ja erst Herbst.

Normalerweise verkündet das Direktorium nach einer Klausurtagung im Dezember den neuen Preisträger, demnächst findet wieder ein Vorbereitungstreffen statt. In den Dossiers stehen die Namen der üblichen Verdächtigen, das Auftauchen von Überraschungskandidaten, etwa aus dem kulturellen Bereich, ist jedoch möglich.