1. Karlo Clever

Einblick bei Familie Schweizer: Zweisprachig am Esstisch

Einblick bei Familie Schweizer : Zweisprachig am Esstisch

Englisch mit Mama, Deutsch mit Papa. Für manche Kinder ist es selbstverständlich, mehr als eine Sprache zu können. Aber ist das nicht kompliziert? Familie Schweizer gibt einen Einblick.

Wenn Familie Schweizer abends am Esstisch sitzt, kann das für Besucher ziemlich verwirrend sein. Wieso? Mama Julia und Papa Gunnar haben nicht die gleiche Muttersprache. Deshalb führt die Familie aus Berlin ihre Unterhaltungen oft gleichzeitig in zwei Sprachen.

Für die zehnjährige Antonia und ihren kleinen Bruder Alick ist das ganz normal: Mit ihrem Vater sprechen sie nur Deutsch. Und weil ihre Mutter aus dem Land Kanada kommt, sprechen sie mit ihr nur Englisch. Deshalb werden in gemeinsamen Gesprächen Deutsch und Englisch manchmal wild durcheinander gesprochen.

Aber ist es nicht verwirrend, ständig zwei Sprachen im Kopf zu haben? „Es ist eigentlich nicht so schwer, die Sprachen auseinanderzuhalten. Ich benutze sie ja beide jeden Tag“, sagt Antonia. Dass man mal durcheinander komme, passiere aber trotzdem. Zum Beispiel, dass sich ein deutsches Wort in einen englischen Satz verirrt und andersherum.

Während in Deutschland die meisten Kinder erst in der Schule Englisch im Unterricht lernen, beherrschen Antonia und Alick diese Sprache schon längst fließend. Man sagt dazu: Sie wachsen zweisprachig auf. Ein anderes Wort dafür ist bilingual. Darin stecken die lateinischen Wörter „bi“ für zwei und „lingua“ für Sprache.

Zweisprachig aufzuwachsen kann manchmal aber auch knifflig sein. Schreiben zu lernen war zum Beispiel gar nicht so einfach, erklärt Antonia: „Die Buchstaben werden in beiden Sprachen gleich geschrieben, aber es wird nicht gleich ausgesprochen.“ Weil das Mädchen auf eine bilinguale Schule geht, musste sie dort beides lernen.

Einige Freundinnen und Freunde von Antonia sind auch zweisprachig. Sie hat aber auch Freunde, die kein Englisch sprechen, zum Beispiel die Nachbarskinder. Die sind fasziniert, wenn sie Antonias Familie zuhören. Die Zehnjährige überlegt, wie sich das anfühlen könnte. „Ich kann mir halt irgendwie gar nicht vorstellen, nicht Englisch zu können. Aber wenn ich zum Beispiel über Spanisch oder Französisch nachdenke, dann stelle ich mir das schon schwer vor“, sagt sie.

Manchmal gefällt es Antonia ziemlich gut, dass sie besser Englisch spricht als ihr Vater und besser Deutsch als ihre Mutter. Sonst wird sie eigentlich von ihren Eltern verbessert. „Wenn man dann etwas selber kann oder sogar besser als jemand, der sich ganz schlau fühlt, dann ist man auch ein bisschen stolz“, erzählt sie und grinst.

(dpa)