Pfeifen in der Bundesliga: Wie sich Schiedsrichter fit halten

Pfeifen in der Bundesliga : Wie sich Schiedsrichter fit halten

Immer auf Ballhöhe: Sie müssen topfit sein, wenn sie mit den Fußball-Profis in der Bundesliga mithalten wollen. Patrick Ittrich trainiert dafür vier bis fünf Mal in der Woche.

Patrick Ittrich steht vor seinem Haus in Hamburg, im Norden von Deutschland. Auf seiner Stirn haben sich kleine Schweißperlen gebildet. Denn der Bundesliga-Schiedsrichter trainiert gerade hart.

Seine Tochter steht mit einer Stoppuhr ein Stück entfernt. „Achtung Papa, auf die Plätze, fertig los!“, ruft sie. Ihr Vater spurtet los, der Hund der Familie wetzt hinterher. So geht das sechs Mal. Selbst dem Hund hängt jetzt die Zunge aus dem Hals. Doch nach einer kurzen Pause macht Patrick Ittrich gleich weiter: vier Kilometer durch den Wald, immer wieder kurze Sprints, dazwischen kurze Gehpausen.

Patrick Ittrich will topfit sein, wenn es am 16. August wieder in der 1. Fußball-Bundesliga losgeht. Schiedsrichter müssen schließlich mit den Fußballern mithalten. Also dauernd auf dem Spielfeld auf und ab laufen, um immer nah am Ball zu sein. „Wir laufen oft zehn bis zwölf Kilometer pro Spiel, mehr als manche Spieler“, sagt Patrick Ittrich.

Vier bis fünf Mal die Woche trainiert der 40-Jährige normalerweise. Mal Krafttraining, mal Ausdauer, mal schnelle Sprints. An den Wochenenden in der Saison steht er dann oft auf dem Fußballplatz als Schiedsrichter. Er steht dann mit den großen Stars wie Robert Lewandowski oder Marco Reus gemeinsam auf dem Spielfeld. „Früher als kleiner Junge stand ich selbst hinterm Zaun und habe den Profis zugeschaut“, erinnert sich Patrick Ittrich. „Jetzt laufe ich als Bundesliga-Schiedsrichter als Erster ins Stadion ein, hinter mir die Fußballstars, die von allen angehimmelt werden.“

Früher spielte er selbst Fußball, bei seinem Heimatverein, dem Mümmelmannsberger SV in Hamburg. Schiedsrichter wollte er eigentlich nicht werden. Doch als er 15 Jahre alt war, wurde er gefragt, ob er ein Spiel leiten könne. „Ihr seid doch verrückt, dachte ich zuerst. Doch dann machte es mir großen Spaß“, erinnert sich Patrick Ittrich.

Er wünscht sich, dass mehr Mädchen und Jungen Schiedsrichter werden. „Man lernt sehr viele Dinge, die einem auch sonst im Leben helfen: sich durchzusetzen, Entscheidungen zu treffen, mit Kritik umgehen zu können – und natürlich seinen Körper gut zu kennen und fit zu halten.“

Jetzt trinkt Patrick Ittrich erstmal ein großes Glas Wasser. Danach macht er zum Abschluss noch ein paar Dehnübungen im Garten. „So, jetzt ist Schluss“, sagt er. Seine Frau und die vier Töchter warten schon auf ihn mit selbstgemachtem Kartoffelsalat – die richtige Stärkung für den Schiedsrichter nach einem harten Training.

(dpa)
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