1. Karlo Clever

Zirkusartistin: Wie es ist, im Zirkus aufzuwachsen

Zirkusartistin : Wie es ist, im Zirkus aufzuwachsen

Als sie sechs Jahre alt war, wusste Lili Paul-Roncalli, was sie werden will: eine Schlangenfrau. Diesen Traum hat sie sich erfüllt. Nun hat sie ein Buch darüber geschrieben.

Einmal am Trapez durch das Zirkuszelt schwingen oder als Clown das Publikum zum Lachen bringen. Davon träumen manche Kinder. Lili Paul-Roncalli weiß, wie es sich anfühlt, in der Manege zu stehen. Die 24-Jährige wuchs in einer Zirkusfamilie auf und trat schon als Jugendliche dort auf, erst mit Rollschuhen, später als Schlangenmensch. Wie das war, darüber schreibt sie in ihrem neuen Buch „Manege frei für Lili“. Im Interview mit Antje Ehmann erzählt sie davon, wie das Buch entstand.

Frau Paul-Roncalli wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über den Zirkus zu schreiben?

Lili Paul-Roncalli: Es gibt so viele Kinderbücher über den Zirkus. Aber das sind meistens erfundene Geschichten. Ich wollte gerne mal erzählen, wie es wirklich ist, im Zirkus aufzuwachsen. Den Circus Roncalli gibt es schon seit 45 Jahren, mein Papa Bernhard Paul hat ihn gegründet und gerade sind wir endlich wieder auf Tournee.

Haben Sie sich problemlos an alles erinnern können?

Paul-Roncalli: Nein, ganz so leicht war es nicht. Deshalb habe ich meinen Papa und meine Mama gefragt. War das wirklich so oder habe ich es imposanter in Erinnerung? Das waren spannende Gespräche. Bei den Geschichten, in denen meine beiden älteren Geschwister Vivian und Adrian eine Rolle spielen, habe ich auch noch mal nachgefragt.

Waren Ihre Geschwister gleich einverstanden?

Paul-Roncalli: Wir sind es alle drei seit unserer Kindheit gewöhnt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Früher kamen Journalisten in die Zirkusschule und haben oft dieselben Fragen gestellt. Meine Geschwister fanden den Gedanken ganz lustig, dass es nun auch ein Buch geben sollte.

Wussten Sie wirklich schon mit sechs Jahren, was Sie werden wollen?

Paul-Roncalli: Vorgestellt habe ich mir das schon vorher, aber als ich dann Alba, die Schlangenfrau, und ihre Darbietung gesehen habe, war es mir so klar: Das möchte ich auch werden. Meine Eltern haben mich nicht so ernst genommen, aber ich war mir sicher.

Was gefällt Ihnen daran, eine Schlangenfrau zu sein?

Paul-Roncalli: Ich finde es super, dass ich im Gegensatz zu den anderen Zirkuskünstlern nur ganz wenig Gepäck zu den Auftritten mitnehmen muss. Das ist von Vorteil. Ich habe ein paar kleine Requisiten und schon kann es losgehen. Mein Körper ist durch das viele Training so routiniert, dass ich da immer recht entspannt bin. Und wenn mal ein Trick nicht klappt, weil ich vielleicht müde bin, ist es auch kein Weltuntergang.

Welchen Tipp haben Sie für andere Leute, um bei einem Auftritt entspannt zu sein?

Paul-Roncalli: Man muss versuchen, bei sich zu bleiben und zu denken, dass man es nicht ändern kann, falls etwas doch nicht so klappt, wie gedacht. Ein wenig Lampenfieber habe ich auch. Aber ich habe mir einfach immer eingeredet, dass ich nicht nervös bin. Vielleicht ist das ein guter Tipp.

(dpa)