1. Karlo Clever

Karlo Clever: Welches Schiff sticht nie mehr in See?

Karlo Clever : Welches Schiff sticht nie mehr in See?

In der Stadt Stockholm steht ein Museum nur für ein einziges Schiff: die Vasa. Bei der ersten Fahrt des Schiffes im Jahr 1628 passierte etwas, mit dem niemand gerechnet hätte.

Tausende Schaulustige haben sich versammelt, um zu sehen, wie das Kriegsschiff zum ersten Mal aus dem Hafen läuft: die Vasa. 69 Meter lang, mit drei Masten, die hoch in den Himmel ragen. Verziert ist es mit Hunderten kunstvoll geschnitzten und mit bunten Farben bemalten Holzfiguren: Krieger, Löwen, Nixen, Götter.

Hinter dem Schiff thront das Schloss des schwedischen Königs Gustav des Zweiten Adolf. Er hatte den Befehl gegeben, die Vasa bauen zu lassen. Mit dem Kriegsschiff will er seine Feinde einschüchtern. Die Vasa hat auch Kanonen geladen: 64 Stück auf zwei Kanonendecks! Damit ist sie das am stärksten bewaffnete Kriegsschiff in der Ostsee.

Es ein Sonntag im August vor etwa 400 Jahren, zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag, als die Vasa mithilfe dicker Seile vom Ufer aus an ihren Startpunkt gezogen wird.

Doch was ist das? Plötzlich erfasst eine Windböe das Schiff. Es neigt sich gefährlich zur Seite, richtet sich aber wieder auf – und segelt weiter. Aber dann, etwa einen Kilometer vom Start entfernt, kommt eine noch viel stärkere Böe. Der Wind drückt das Schiff weit auf die rechte Seite, so weit, dass Wasser durch die offenen Kanonenluken strömt. Die Vasa beginnt zu sinken!

Nach nur wenigen Minuten liegt das Schiff auf dem Meeresgrund. Wie konnte es zu diesem Unglück kommen, bei dem mindestens 30 Menschen ihr Leben verloren? „Für die vielen Kanonen, die der König unbedingt an Bord haben wollte, war die Vasa falsch konstruiert“, erklärt eine Expertin. Die oberen Teile des Schiffsrumpfes etwa waren zu groß und schwer gebaut für die vergleichsweise kleine Menge an Rumpf unterhalb der Wasserlinie.

Viele Jahre lag das Schiff in Stockholms Hafenbecken auf dem Meeresgrund. Bis sich ein Hobby-Forscher auf die Suche machte. Er hatte die Idee, das Schiff zum Mittelpunkt eines Museums zu machen.

Und das gelang! Im April 1961 zog man die Vasa aus dem Meer. Mehr als 20 Jahre später stand dann ihre zweite Fahrt auf dem Wasser an. Und die verlief erfolgreich! Die Vasa wurde dann in das extra für sie gebaute Vasa-Museum transportiert – dort ist sie nun zu sehen.

(dpa)