1. Karlo Clever

Baumschulen: Welcher Baum soll es sein?

Baumschulen : Welcher Baum soll es sein?

Aufschulen nennen es Fachleute, wenn sie viele junge Bäume auf Felder pflanzen. Das macht man in sogenannten Baumschulen. Mit einer Schule haben sie aber nichts zu tun.

Dass man einen neuen Baum aus einem Samen ziehen kann, wissen viele Leute. „Wir vermehren Bäume anders“, sagt Holger Zahn. Der 59-jährige Mann ist der Chef der ältesten Baumschule Berlins, der Späth‘schen Baumschulen.

„Bei dem Baum ist es wie beim Menschen“, erklärt Herr Zahn: „Aus jedem Samen wird eine ganz besondere Pflanze. Eine ist dünn, eine dick, eine wird besonders groß, und eine bleibt klein.“ In Baumschulen bemühen sich die Gärtner jedoch, möglichst gleichartige Pflanzen zu ziehen. „Bei uns werden Bäume für Städte und Privatgärten produziert. Die Kunden wollen dafür Bäume mit ganz besonderen Eigenschaften“, sagt Herr Zahn. Für Städte werden zum Beispiel Bäume gebraucht, die gerade in die Luft wachsen und wenig Wurzelaustriebe haben. So kommen auch große Autos unter der Baumkrone durch. Und die Radfahrer und Fußgänger beklagen sich nicht über Austriebe, die ihre Wege uneben machen.

Um möglichst gleichartige Bäume zu ziehen, sucht Herr Zahn Baumpflanzen aus, deren Eigenschaften er für besonders gut erachtet. Von denen stellt er dann genau gleiche Kopien her. Klonen nennt man das.

„Zum Klonen nimmt man nicht den Samen einer Pflanze, sondern einen Trieb, einen dünnen Zweig oder eine Knospe“, sagt Herr Zahn. Die Triebe werden dann in ein Sandbeet oder in die Erde gesteckt. Mit etwas Glück bekommen sie Wurzeln und können ausgepflanzt werden.

Man kann aber auch eine Knospe oder einen Trieb der gewünschten Pflanze in eine andere Baumpflanze einsetzen. Das nennt man Veredelung. Dafür gibt es verschiedene Techniken.

Eine davon erklärt Herr Zahn so: „Man entfernt die Knospe eines Baumes und setzt sie in den Haupttrieb einer anderen Baumpflanze. Man bindet diese Stelle ganz fest zusammen, damit die Pflanzenteile zusammen wachsen.“ Wird der Trieb des Mutterbaumes nun oberhalb der Veredelungsstelle weggeschnitten, wächst nur der Trieb aus der Knospe weiter. Und wird zu dem gewünschten Baum.

(dpa)