1. Karlo Clever

Ankreiden auf der Straße: Wehrhaft gegen blöde Anmache

Ankreiden auf der Straße : Wehrhaft gegen blöde Anmache

Hat dich schon mal jemand dumm angequatscht? Sam und ihren Freundinnen ist das schon oft passiert. Sie schreiben diese Sprüche mit Kreide auf die Straße. „Ankreiden“ nennen sie das.

Blöde Anmachsprüche mussten sich Sam und ihre Freundinnen schon oft anhören. Von fremden Männern auf der Straße. Ohne Grund. Dabei ging es zum Beispiel um ihr Aussehen oder Klamotten. Im vergangenen Sommer reichte es ihnen. Sie sind das erste Mal losgezogen und haben einen dieser Sprüche in Dortmund auf die Straße geschrieben. Mit blauer und pinker Kreide.

„Ankreiden“ nennen sie das. Anschließend haben sie den Spruch fotografiert und auf ihre Instagram-Seite „catcallsofdortmund“ gestellt. „Wir wollen auf das Thema aufmerksam machen“, sagt die 20 Jahre alte Sam. Sam ist übrigens nur ihr Spitzname. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht veröffentlichen. Mittlerweile haben die Freundinnen mehr als 30 Sprüche angekreidet. Sprüche, die sie selbst gehört haben – oder Mädchen, die sich bei ihnen gemeldet haben.

Neben die Sprüche malen Sam und die Freundinnen Katzengesichter. Denn blöde Anmachsprüche werden auch „Catcalling“ (gesprochen: kätt koling) genannt. Das ist Englisch und bedeutet so viel wie eine Katze rufen oder anlocken. Hört sich erstmal nett an, aber dahinter steckt etwas Mieses: „Damit sind unangebrachte Sprüche auf der Straße gemeint, die dafür sorgen, dass sich Mädchen und Frauen unsicher fühlen“, sagt
Sam.

Auch Hinterherpfeifen oder abwertende Geräusche gehören zum „Catcalling“. Das passiert übrigens nicht nur Frauen, sondern auch Männern oder Jungen – aber deutlich seltener, zeigen Studien.

Ursprung in New York

Die Dortmunder Gruppe ist nicht die einzige. Auch in vielen anderen Städten schreiben Frauen fiese Anmachsprüche auf die Straße. Und nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Die Idee kommt aus der Stadt New York im Land USA. Dort haben Frauen mittlerweile Hunderte von Sprüchen gesammelt und angekreidet.

Sam und ihre Freundinnen versuchen meistens den „Catcall“ in Dortmund dort aufzuschreiben, wo er passiert ist. Manchmal suchen sie sich aber auch Orte, die überdacht sind oder an denen mehr Menschen vorbeikommen.

Sam kommt dabei häufig mit Passanten ins Gespräch. „Viele sind superüberrascht, dass das für uns eine Sache ist“, sagt Sam. Denn wann etwas als Belästigung empfunden wird, hängt auch von dem jeweiligen Menschen ab. Manche sagen dann zu Sam, Catcalling sei ein Kompliment und Frauen sollen sich nicht so anstellen. „Aber das ist alles andere als wahr“, findet Sam.

Sam vermutet, dass manche Männer gar nicht wissen, was sie mit den Sprüchen anrichten. Und genau das will sie ändern: „Wir wollen die Männer auch ermutigen, ihre Freunde zurückzupfeifen.“ Und alle, die schon mal „Catcalls“ gehört haben – egal ob Mädchen oder Junge – sollen wissen, dass sie nicht schweigen müssen.

(dpa)