Ein Junge und sein Sprachcomputer: Tim spricht mit Hilfe seiner Augen

Ein Junge und sein Sprachcomputer : Tim spricht mit Hilfe seiner Augen

Der 14-jährige Tim kann wegen seiner Behinderung nicht sprechen. Sprachlos ist er aber trotzdem nicht: Er steuert einen Sprachcomputer, indem er Symbole oder Buchstaben ganz genau ansieht.

„Hallo, ich bin etwas aufgeregt“, sagt Tim. Er gibt an diesem Tag sein erstes Interview überhaupt. Die Begrüßung spricht der 14-Jährige nicht, sondern er schreibt sie mit einer besonderen Technik auf. Den Satz liest ein Computer dann vor.

Damit das gut klappt, übt Tim den Umgang mit seinem Sprachcomputer – auch in seiner Schule in der Stadt Hamburg. Einmal pro Woche steht das Fach „Unterstützte Kommunikation“ auf dem Stundenplan. Mit seiner Lehrerin Anna Wencke spielt Tim dann zum Beispiel den ABC-Zaubertrank. Dabei ziehen die Spieler Karten mit Buchstaben und überlegen sich dazu passende Worte. S wie schöne, fällt Tim sofort ein. Und E wie ernst.

Tim kann wegen seiner Behinderung die Arme und Beine nicht richtig bewegen. Deswegen benutzt er zum Sprechen den speziellen Computer an seinem Rollstuhl, der auf der Höhe seiner Augen befestigt ist. Diesen steuert er mit seinen Augen.

Und das geht so: Auf dem Bildschirm sind viele Symbole zu sehen. Etwa ein Daumen nach unten für falsch, ein Daumen nach oben für richtig. Auch ein Gesicht mit Fragezeichen für das Wort Fragen. Es gibt auch Felder mit kurzen Sätzen, etwa: Wie geht es dir? Neben diesen Symbolen befinden sich auf dem Bildschirm auch Buchstaben, mit denen Tim ein Wort schreiben kann.

Um so einen Buchstaben oder ein Wort auszuwählen, muss Tim das kleine Symbol genau ansehen. Eine Kamera erfasst die Bewegungen seiner Augen und gibt sie an den Computer weiter. Auf dem Bildschirm bewegt sich dann der Mauszeiger, und Tim kann das Symbol mit den Augen anklicken. Dann werden die Wörter vom Computer ausgesprochen. Die Stimme klingt nicht wie Roboter, sondern wie ein Junge in Tims Alter.

Das Sprechen mit den Augen ist ziemlich anstrengend. Tim muss die ganze Zeit genau hinsehen und sich sehr konzentrieren. Auf so einem Sprachcomputer sind etwa 3800 Wörter eingespeichert. Damit lässt sich vieles ausdrücken, aber eben nicht alles. „Weil Tim manchmal neue Begriffe umschreiben muss, ist es nicht immer ganz einfach herauszufinden, was er gerade meint. Zum Glück ist er ziemlich hartnäckig und gibt nicht so schnell auf“, sagt Lehrerin Anna Wencke.

Trotzdem müssen auch seine Eltern oft lange rätseln, was Tim meint. Doch der Wortschatz seines Sprachcomputers lässt sich erweitern. Zum Beispiel hat Tim darin auch die Namen seiner Eltern und besten Freunde gespeichert.

(dpa)