Amerika: Seen fast so groß wie ein Ozean

Amerika : Seen fast so groß wie ein Ozean

Wasser, Strand, Dünen, Wind und hohe Wellen. Klingt nach Meer? Ist es aber nicht. Wer das Wasser der Großen Seen in Nordamerika in den Mund bekommt, schmeckt: Es ist Süßwasser!

Wasser, nichts als Wasser. Bis zum Horizont reicht es und darüber hinaus. Auf einer Sanddüne am Ufer stehen einige Leute und schauen auf diese endlose Wasserfläche. Ein Junge kommt hinzu und sagt: „Das muss der größte Ozean sein, den es gibt.“

Zwar sieht es am Ufer tatsächlich aus wie an einem Ozean, doch der Junge steht an einem See: dem Oberen See. Er ist der größte Süßwassersee der Welt, gemessen an der Oberfläche! Im Norden grenzt er an das Land Kanada, im Süden an die Vereinigten Staaten von Amerika. Neben ihm liegen noch vier weitere riesige Seen, die alle miteinander verbunden sind. Man nennt sie die Großen Seen.

Die sind so groß, dass dort manchmal riesige Wellen entstehen. „Sie können so hoch werden wie Wellen auf dem Ozean“, sagt Joseph Atkinson. Der Professor erforscht die Großen Seen. Manchmal seien die Wellen acht bis zehn Meter hoch, sagt er. Also so hoch wie drei Stockwerke. „In den Seen gibt es viele Schiffswracks, die bezeugen, wie stark die Stürme und die Bewegungen der Sturmwellen werden können.“

Auch das Klima entlang der Seen ist besonders. Im Sommer speichern sie die Wärme und geben sie im Herbst wieder an die Umgebung ab. Im Winter sorgen die Seen dafür, dass es nicht so kalt wird, weil ihr Wasser wärmer ist als die kalte Winterluft. Landwirte können deswegen an den Seen Früchte anbauen, die sonst dort nicht gut wachsen würden, etwa Äpfel, Kirschen und Weintrauben.

Die Seen beeinflussen sogar Regen und Schnee, erzählt Joseph Atkinson: Bei ihm in der Stadt Buffalo regnet und schneit es wegen der Seen mehr, weil die Stadt zwischen zwei Seen liegt. Denn wenn der Wind über das Wasser fährt, nimmt die Luft die Feuchtigkeit auf. Und die regnet dann über der Stadt ab.

Und was ist mit Ebbe und Flut? Im Meer entstehen die Gezeiten, weil der Mond die große Menge Wasser anzieht. In den Großen Seen passiert das auch. Aber es sind allerhöchstens einige Zentimeter. Kaum spürbar im Vergleich zu den hohen Wellen. Wer erleben will, wie groß diese Seen sind, kann dort wandern gehen. Am Oberen See führt ein Wanderweg an der Küste entlang. Doch selbst nach vielen Tagen ist man noch lange nicht am Ende angekommen.

Denn der Obere See ist 563 Kilometer lang! Das ist etwa so weit wie die direkte Entfernung zwischen den Städten Hamburg im Norden Deutschlands und Stuttgart im Südwesten.

(dpa)
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