1. Karlo Clever

Zählungen: Schwierige Reise für Zugvögel

Zählungen : Schwierige Reise für Zugvögel

Von Afrika bis in die Arktis ist es ein weiter Weg. Zugvögel machen deshalb Pausen, auch bei uns. Forschende zählen die Tiere regelmäßig, um mehr über ihre Lebensräume zu erfahren.

Im Wattenmeer entlang der Nordseeküste Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande tummeln sich im Frühjahr und im Herbst viele Zugvögel. Millionen von Wat- und Wasservögeln rasten dann hier, um sich ausreichend Fett anzufressen. Denn im Watt und auf den Feldern vor den Deichen finden die Tiere viel Nahrung.

Die Zugvögel sind auf der Durchreise zwischen ihren Winterquartieren im Süden und ihren Brutgebieten in der Arktis. Forschende haben nun in einer Studie herausgefunden, dass der Klimawandel die Lebensräume mancher Zugvögel entlang ihrer Zugrouten bedroht.

Bedingungen werden schwieriger

Zugvögel haben nicht nur ein Zuhause. Sie brauchen auf ihren Reisen an mehreren Orten gute Bedingungen. Der Klimawandel habe auf die meisten Küstengebiete Einfluss, sagte die Expertin Kristine Meise.

Im Wattenmeer zum Beispiel würden neben dem Anstieg des Meeresspiegels zunehmend extremes Wetter wie Starkregen und Stürme den Vögeln unter anderem bei der Rast zusetzen. Auch im wichtigsten Überwinterungsgebiet vor Westafrika verändern sich die Bedingungen an den Küsten für Zugvögel merklich, erklärte die Wissenschaftlerin.

Um einen Überblick zu bekommen, werden seit 2014 alle drei Jahre Zugvögel entlang ihres Vogelzuges gleichzeitig gezählt. Solche Zählungen sind wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

 Das ist ein Kranich, er gehört zu den Zugvögeln. Kraniche verbringen die kalte Jahreszeit im Süden von Europa. Da die Winter in Deutschland aber immer milder werden, bleiben mittlerweile viele der Vögel hier bei uns.
Das ist ein Kranich, er gehört zu den Zugvögeln. Kraniche verbringen die kalte Jahreszeit im Süden von Europa. Da die Winter in Deutschland aber immer milder werden, bleiben mittlerweile viele der Vögel hier bei uns. Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Ergebnisse der letzten Zählung 2020 liegen nun vor. In 36 Ländern wurden 83 Populationen von Zugvögeln beobachtet. Das sind Vögel aus großräumigen Brutgebieten von Grönland über Nordskandinavien bis Nordrussland. Bei der Hälfte nahmen die Bestände zu. 25 Populationen nahmen ab. Dazu gehören zum Beispiel Watvögel, die in der sibirischen Arktis brüten. Das sind zum Beispiel der Knutt, der Sichelstrandläufer und der Sanderling.

Futter zur falschen Zeit

Mögliche Gründe: Durch den Klimawandel beginnt der Frühling und damit die Schneeschmelze in der Arktis früher. Die Insekten schlüpfen früher. Da die Vögel aber später brüten, haben sie zu wenig Insekten, also Futter für ihren Nachwuchs. Dies könne einen Rückgang beim Bruterfolg erklären, sagte die Expertin.

(dpa)