1. Karlo Clever

Hamburg: Katja und der Armleuchter

Hamburg : Katja und der Armleuchter

Jeden Tag ins Museum? Für Katja ist das ganz normal: Sie wird Restauratorin. In einer Werkstatt repariert sie alte Kunstwerke. Dabei fühlt sie sich manchmal wie eine Detektivin.

Ein bisschen gruselig sieht der Kerzenhalter aus. Aus dem runden Kopf und dem weit aufgerissenen Mund ragt ein Arm mit einer Hand. So, als hätte der Kopf den Rest des Körpers verspeist. Doch Katja gruselt sich nicht. Im Gegenteil: Sie guckt den blau-weißen Armleuchter ganz genau an.

Dann hebt sie ihn vorsichtig mit weißen Handschuhen hoch. Dabei muss die 24-Jährige gut aufpassen - der Armleuchter ist aus einer Art Keramik und kann leicht kaputtgehen. Eigentlich darf man im Museum ja nichts anfassen. Aber Katja soll den Armleuchter restaurieren

. Sie muss alle Risse reparieren und die Oberfläche säubern. An manchen Stellen fehlt auch die Farbe. Wenn sie mit ihrer Arbeit fertig ist, soll der Armleuchter wieder so aussehen wie vor über 370 Jahren. So alt ist der Kerzenhalter schon. Erst wenn er restauriert ist, soll er im Museum ausgestellt werden.

Katja macht gerade ein einjähriges Praktikum in der Werkstatt eines Museums. Bei ihrer Arbeit braucht sie Geduld und Feingefühl. Viele Kunstwerke sind schon sehr alt und es gibt sie nur ein Mal auf der ganzen Welt. „Ich hab natürlich Angst, dass ich etwas kaputtmache oder es herunterfällt”, sagt Katja. Zum Glück ist ihr das bislang noch nicht passiert.

Manchmal fühlt Katja sich jetzt wie eine Detektivin. Denn sie untersucht die Kunstwerke genau auf Hinweise, wie alt sie sind oder wer sie gemacht hat. Manchmal liest sie stundenlang in dicken Büchern, um noch mehr herauszufinden. So war es auch beim Armleuchter. Niemand wusste, wo er herkommt und wer ihn gemacht hat. Nur die Jahreszahl und drei Buchstaben standen auf der Rückseite.

Erst wenn Katja möglichst viel über den Armleuchter weiß, kann sie anfangen ihn zu reparieren. Dabei benutzt sie zwar andere Materialien als der Künstler. Verändern darf sie die Kunstwerke -aber trotzdem nicht - auch wenn sie es anders vielleicht schöner fände. „Einfach etwas dazu erfinden, geht gar nicht.”

(dpa)