1. Karlo Clever

Karlo Clever: Wieso den Arzt nur am Computer treffen?

Telemedizin : Wieso den Arzt nur am Computer treffen?

Wer sich krank fühlt, geht normalerweise zum Doktor. Doch dieser Weg muss in Zukunft nicht immer sein. Denn er und sein Patient können sich auch mit einem Videoanruf besprechen.

„Der nächste bitte!“ Diesen Satz kennst du vielleicht aus dem Wartezimmer vom Arzt. Dann geht man ins Behandlungszimmer und erzählt, was einem fehlt. Aber wie wäre es, die Krankheit stattdessen von zu Hause aus mit dem Arzt zu besprechen, am Computer? Das nennt sich dann Telemedizin. So etwas soll es bald häufiger geben. Gernot Marx ist dafür Experte. Der Professor arbeitet in einem Zentrum für Telemedizin in Aachen.

Was heißt eigentlich Telemedizin?

Gernot Marx: „Telemedizin heißt, dass man sich über einen Videoanruf unterhalten kann. Es ist aber kein Chat zwischen Familienmitgliedern, sondern zwischen zwei Ärzten oder zwischen Ärzten und Patienten.“

Wie wird ein Patient dabei untersucht?

Marx: „Man kann sich den Patienten und seine Daten über Video anschauen, genau wie sonst in der Praxis oder im Krankenhaus auch. Dann versucht man zusammen, die möglichst beste Behandlung zu finden.“

Aber per Telefon kann man doch niemanden abhören, wenn er Husten hat?

Marx: „Natürlich gibt es Dinge, die ein Arzt wirklich mit den Händen untersuchen muss. Aber es gibt auch Dinge, wo es anders geht. Und der Arzt kann ja auch immer sagen: Das kann ich so nicht lösen, du musst bei mir vorbeikommen. Außerdem gibt es die Telemedizin auch zwischen zwei Ärzten. Im Telemedizin-Zentrum in Aachen spricht ein Arzt von uns zum Beispiel oft mit anderen Ärzten in Krankenhäusern.“

Und wie funktioniert das?

Marx: „In den Krankenhäusern gibt es ein fahrbares Gerät mit einer Kamera und einem Bildschirm. Damit fährt der Arzt dort zum Patienten und schaut ihn dann gemeinsam mit dem Arzt im Telemedizin-Zentrum an. Oder wir können uns Labordaten, Röntgenbilder oder Untersuchungsfilme ansehen.“

Kann jeder an einer Telemedizin-Sprechstunde teilnehmen?

Marx: „Ja, eigentlich schon. In Deutschland bieten aber noch nicht viele Ärzte eine Video-Sprechstunde an.“

Warum gibt es eigentlich Telemedizin, also was sind die Vorteile?

Marx: „Nehmen wir mal an, man würde irgendwo auf dem Land wohnen, wo es nicht viele Ärzte gibt. Und man hat dann plötzlich ein Problem und braucht einen Rat. Da geht es ganz schnell, dass man sich über Telemedizin einen Rat vom Experten holt. Und wenn sich Ärzte in Krankenhäusern von anderen Ärzten per Videoanruf helfen lassen, kann ein Experte viele Menschen mitbetreuen, ohne dass er immer direkt zu ihnen fahren muss oder sie zum ihm kommen müssen.“

(dpa)