Karlo Clever: Wie werde ich Lebensmittelretter?

Bildungsworkshop : Wie werde ich Lebensmittelretter?

Tonne auf, Essen rein? Bloß nicht, sagen viele Menschen. Auch wenn Lebensmittel mal eine Delle haben, kann man noch leckere Dinge damit kochen. Aber was genau?

Aus Kartoffelschalen leckere Chips zaubern. Oder Semmelknödel aus altem Brot. Diese Tricks lernen Schüler einer Berliner Grundschule. Insgesamt 21 Kinder einer Schulklasse werden in einem Kurs zu Lebensmittelrettern. Denn wegwerfen, was man noch essen kann, das muss nicht sein.

Nina ist Expertin für Lebensmittel. Zusammen mit ihrem Team und der Klasse will sie ein School Lunch (gesprochen: skul lantsch) zubereiten. Ein School Lunch ist ein gemeinsames Mittagessen. Dafür hat Nina unter anderem Obst und Gemüse mitgebracht. Die Lebensmittel hat Nina vor der Mülltonne gerettet.

Nina und viele andere Menschen finden: Zu viel Essen landet im Müll, etwa weil die Lebensmittel nicht mehr frisch aussehen. Dabei kann man die Sachen oft noch essen. Die sieben Jahre alte Merle hat dagegen einen lustigen Plan: „Später arbeite ich in einem Supermarkt und esse alles Übrige auf, damit nichts weggeschmissen wird.“

Um das zu verhindern, gehen Nina und ihr Team in Schulen. Sie zeigen den Schülern, dass man mit älteren Lebensmitteln noch kochen kann. „Wenn Gemüse kleine Dellen hat, muss man es nicht gleich wegwerfen“, sagt Expertin Nina. „Es reicht, wenn man die Stellen wegschneidet.“ Die Kinder erfahren auch, dass eine Banane mit braunen Stellen viel süßer schmeckt.

Vor dem Kochen lernen die Schüler, warum unsere Nahrung so wertvoll ist. Die Kakaobohne zum Beispiel wächst weit weg von Deutschland. Nämlich dort, wo es warm ist. Es ist ein langer Weg, bevor wir die Schokolade im Supermarkt kaufen können. Bei einem spannenden Kühlschrankspiel erfahren die Kinder, wie das Essen lange frisch bleibt. Nach einer Pause wird dann gekocht.

Einige Schüler haben zu Hause beim Kochen schon mitgeholfen. „Mit meinem Bruder habe ich schon zusammen Spaghetti mit Tomatensoße gekocht und Pizza gebacken“, sagt die sieben Jahre alte Mathilda.

Als erstes bekommt jeder ein Brettchen. Nun wird geschnippelt. Alle geretteten Lebensmittel kommen zum Einsatz. Das Klassenzimmer verwandelt sich in eine große Küche. Alle packen fleißig mit an. Später kommt das Gemüse in einen großen Topf.

Es gibt Suppe, vorher einen Salat und zum Nachtisch Apple Crumble (gesprochen: äppel krambel). Das sind Apfelstücke mit Streusel. Ein toller Duft breitet sich im ganzen Klassenzimmer aus. „Wir sollten das jeden Tag machen, dann riecht es immer so lecker“, sagt der siebenjährige Vikas.

Endlich wird gegessen! Allen schmeckt es super. Am Ende gibt es sogar noch eine Urkunde. Die Schüler können sich nun „Lebensmittelretter“ nennen.

(dpa)
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