1. Karlo Clever

Fatigue-Syndrom: Immer erschöpft und überreizt!

Fatigue-Syndrom : Immer erschöpft und überreizt!

Seit Corona ist häufiger die Rede vom Chronischen Fatigue-Syndrom. Keine Energie zu haben, ist das typische Merkmal der Krankheit. Selbst Fachleute stehen da noch vor vielen Rätseln.

Zähneputzen, ein Gespräch führen oder einer Schulstunde folgen: Das sind Dinge, die wir normalerweise locker schaffen. Für manche Menschen ist sowas aber superanstrengend. Sie sind danach völlig erschöpft!

Dahinter steckt eine geheimnisvolle Krankheit mit einem langen Namen: Myalgische Enzephalomyelitis oder auch Chronisches Fatigue-Syndrom. Chronisch bedeutet lange andauernd. Das Wort Fatigue steht für Müdigkeit.

Allein in Deutschland leben etwa 40.000 Kinder und Jugendliche mit dieser Krankheit, die abgekürzt ME/CFS genannt wird. Sie ist also nicht so selten. Um die Krankheit besser zu verstehen, kannst dur dir das Ganze vorstellen wie bei einem Akku. Der Energievorrat der Menschen, die am CFS erkranken, ist extrem schnell leer. Ihr Akku kann auch nur sehr, sehr langsam wieder aufgeladen werden. Deshalb wird die Krankheit auch oft Müdigkeitssyndrom genannt. „Aber müde zu sein, trifft die Situation der Betroffenen gar nicht“, erklärt Herbert Renz-Pols­ter. Er ist Kinderarzt und Wissenschaftler und selbst an CFS erkrankt.

„Müdigkeit ist etwas Normales. Die Fatigue bei CFS fühlt sich so an, als sei man gleichzeitig sehr erschöpft und komplett überreizt. Wie ein Tier auf der Flucht, das aber keine Energie mehr zum Laufen hat.“

Herr Renz-Polster erklärt: „Normalerweise funktioniert die Steuerung unseres Körpers wie eine Wippe: Entweder wir bringen Leistung, rennen und tun Dinge. Oder aber wir ruhen aus. Beim CFS funktioniert diese Wippe nicht.“ Das ist dann so anstrengend, dass der Körper kaum Energie übrig hat.

Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das: Sie können oft tagelang nicht aufstehen, haben Schmerzen und sind erschöpft. „Reize, die uns gar nicht stören, werden für diese Menschen zur Qual“, sagt Herbert Renz-Polster. Geräusche, Licht und Gerüche überfordern bei ihnen das Gehirn. Die Erkrankung entsteht häufig nach einer Infektion. Das kann etwa eine Grippe sein oder möglicherweise Covid-19, also Corona.

 Der Arzt Herbert Renz-Polster kennt sich aus mit der Krankheit, die Menschen wahnsinnig erschöpft macht.
Der Arzt Herbert Renz-Polster kennt sich aus mit der Krankheit, die Menschen wahnsinnig erschöpft macht. Foto: dpa

„Bei Kindern ist es wahrscheinlicher, dass die Krankheit nach und nach verschwindet“, sagt Herbert Renz-Polster. Das kann allerdings bis zu 15 Jahre dauern. „Kinder verpassen dann einen großen Teil ihrer Entwicklung.“

Deshalb ist sei so wichtig, dass besser erforscht wird, woher die Krankheit kommt und wie man sie behandeln oder sogar heilen kann. Bisher hilft den Betroffenen nur: dass sie lernen, wie viel Energie sie haben und dass sie ihren Akku nicht zu sehr entladen.

(dpa)