Aachen: Gab es wirklich eine Päpstin?

Aachen: Gab es wirklich eine Päpstin?

Wie, Päpstin? Es können doch nur Männer zum Papst gewählt werden! Es gibt aber eine Geschichte, in der das auch eine Frau geschafft haben soll. Ihr Name ist Johanna.

Vor langer Zeit soll sie sich als Mann verkleidet und in der Kirche gearbeitet haben. So manche Experten haben dazu geforscht, ob es diese Päpstin wirklich gegeben hat. Die meisten gehen davon aus, dass es nur eine Legende ist. Die Geschichte von der Päpstin Johanna finden viele Menschen spannend. Sie geht so: Johanna war schlau und gebildet und machte ihre Arbeit in der Kirche richtig gut. Sie bekam immer wichtigere Aufgaben in der Kirche. Irgendwann wurde sie dann sogar zum Papst gewählt, natürlich als Mann verkleidet. Das soll vor mehr als 1000 Jahren gewesen sein. Zwei Jahre soll Johanna unerkannt als Papst gelebt haben.

Ein böses Ende

Doch dann nahm ihre Geschichte ein böses Ende. Denn die Päpstin bekam ein Kind — mitten auf der Straße, während einer großen Prozession. Eine Prozession ist eine Art festlicher Kirchen-Umzug.

Dabei soll die Päpstin gestorben sein. Da merkten die anderen Kirchenmänner plötzlich: Der Papst ist ja gar kein Mann, er ist eine Frau! Es wird aber noch ein anderes Ende der Geschichte erzählt. Bei diesem Ende überleben Johanna und ihr Kind.

Die Geschichte der Päpstin erzählen sich die Menschen schon seit vielen Hundert Jahren. „Aber nach allem, was wir wissen, hat es die Päpstin nicht wirklich gegeben“, sagt Max Kerner. Er ist Fachmann für Geschichte und hat ein Buch über die Päpstin geschrieben. Doch wie ist die Geschichte überhaupt entstanden?

Aufgeschrieben wurde sie erst mehrere Hundert Jahre, nachdem die Päpstin gelebt haben soll. Einer der Ersten, der die Geschichte notiert hat, war Martin von Troppau. Der Kirchenmann schrieb ein berühmtes Geschichtsbuch.

Max Kerner ist sich sicher: „Martin von Troppau war schon klar, dass es die Päpstin nicht gegeben hat.“ Er wollte mit der Geschichte auch eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Man nennt so etwas eine Stellvertreter-Geschichte.

Die Päpste trieben es bunt

Der Kirchenmann wollte damit vor allem die damaligen Päpste kritisieren. Diese trieben es nämlich ziemlich bunt. Sie wollten zum Beispiel ewig jung sein. Und ewig leben. Dazu benutzten sie auch allerlei Salben und Mittelchen.

Martin von Troppau fand das alles wohl ziemlich albern. Er wollte den Päpsten zeigen, wie verrückt sie sich verhielten. Und er wollte sie wohl auch ein bisschen auf den Arm nehmen.

Die Geschichte der Päpstin sollte ausdrücken: Wenn ihr ewig leben wollt, dann müsst ihr Kinder bekommen. Denn nur in euren Kindern könnt ihr weiterleben. Die Sache hat nur einen Haken: Nur Frauen können Kinder bekommen. Also müsste der Papst eine Frau sein.