1. Karlo Clever

Der geheimnisvolle Tunnel: Eine unterirdische Rennbahn für ganz kleine Teilchen

Der geheimnisvolle Tunnel : Eine unterirdische Rennbahn für ganz kleine Teilchen

Was für ein Experiment: Forscher stellen nach, wie der Urknall aussah. Mit diesem Knall ist unser Universum einst entstanden. Die Versuche passieren in einem langen Tunnel.

Es ist ein bisschen wie bei einem Autorennen. Da fahren alle so schnell wie möglich ihre Runden. Aber bei dieser Rennbahn zwischen den Ländern Schweiz und Frankreich geht alles noch viel schneller. Und die Autos sind sehr kleine Teilchen. Denn mit der Rennbahn wollen Forscher Rätsel über die Entstehung unseres Universums lösen.

„Wir beschleunigen hier winzig kleine Teilchen, sogenannte Protonen, auf wahnsinnig hohe Geschwindigkeiten. Fast so schnell wie das Licht“, erklärt Daniel Wollmann. Dabei sind Protonen so klein, dass man sie nicht mal mit den kraftvollsten Mikroskopen erkennen kann.

Daniel Wollmann arbeitet am Cern. Das ist das Forschungszentrum, zu dem die Rennbahn gehört. Ihr Name ist „Large Hadron Collider“ (gesprochen: lartsch hädren koleider), kurz LHC. Übersetzt ist das ungefähr: Großer Teilchen Kollidierer. Kollidieren bedeutet zusammenstoßen.

Der LHC liegt in einem kreisförmigen Tunnel, etwa 100 Meter unter der Erde. Er ist 27 Kilometer lang. An acht Stellen gibt es Aufzüge, mit denen man hinunterfahren kann. Aber da der Tunnel so lang ist, können es dann immer noch mehrere Kilometer bis zu der Stelle sein, wo etwa ein Forscher gerade hin will. Deshalb gibt es dort Fahrräder.

Im Tunnel verlaufen Rohre, in denen die Teilchen rundherum rasen. Das ist die eigentliche Rennbahn. Magnete sorgen dafür, dass die Protonen auf ihrer Kreisbahn bleiben. Mit spezieller Technik werden sie immer mehr beschleunigt. Sie werden so schnell, dass sie in nur einer einzigen Sekunde 11.000 Mal durch den langen Tunnel laufen.

Gerade müssen die Teilchen allerdings eine Weile still stehen. Die Rennbahn wird überprüft und teilweise erneuert. Danach rasen die Protonen wieder gebündelt in Protonen-Strahlen gegenläufig in beide Richtungen. Wenn sie richtig viel Energie haben, lässt man sie aufeinanderprallen. Dabei wird wiederum sehr viel Energie frei.

Auf diese Weise ist es den Forschern möglich, in einem Experiment nachzustellen, wie das Universum entstanden ist. Manche Menschen nennen den LHC deshalb auch Weltmaschine. „Was genau so ein Experiment ergibt, ist vorher nicht so ganz klar. Aber das macht es sehr spannend“, sagt Daniel Wollmann. „Denn es gibt nicht einfach ein Buch, das beschreibt, was herauskommt.“ (dpa)

(dpa)