1. Karlo Clever

Pest: Eine schreckliche Seuche

Pest : Eine schreckliche Seuche

Millionen Menschen in ganz Europa starben im Mittelalter an der Pest. Die gefährliche Krankheit breitete sich unheimlich schnell aus. Wie konnte das geschehen?

Menschen auf der ganzen Welt stecken sich mit einer Krankheit an. Was das bedeutet, haben wir längst gelernt. Wir befinden uns gerade in einer Pandemie und leben mit dem Coronavirus.

Pandemien hat es auch schon früher gegeben: Vor etwa 700 Jahren wurde Europa von der Pest befallen. Pest ist lateinisch und heißt Seuche. Die Pest war hoch ansteckend und so gefährlich, dass in kurzer Zeit viele Millionen Menschen daran starben. Der Fachmann Manfred Gräfe weiß, wie es dazu kam: „An der Pest erkrankten ursprünglich Nagetiere auf dem asiatischen Kontinent.“ Grund war ein Bakterium, das sich im Körper von Ratten ansiedelt. In deren Fell fühlten sich wiederum Flöhe wohl. Saugten die Flöhe das Blut der Ratten, nahmen sie die Pest-Bakterien mit auf und konnten sie an andere Nagetiere weitergeben.

Flöhe waren die Überträger

„Durch den weltweiten Handel und den Schiffsverkehr gelangten die Ratten mitsamt ihren Flöhen nach Europa“, sagt der Fachmann. In der Nähe von Menschen hatten es die Tiere warm und es gab genug Futter. War eine Ratte an der Pest gestorben, wechselten die Flöhe den Wirt. Meist war das eine andere Ratte. Manchmal aber sprangen diese Flöhe auch auf Menschen über. So steckten die sich mit der Pest an.

In Paris, London, Berlin: In allen großen Städten Europas tobte die Pest. Die Erkrankten bekamen dunkle Flecken und Beulen. Hinzu kamen starkes Fieber und Gliederschmerzen. Gelangten die Pest-Bakterien in die Blutbahn, befielen sie die Lunge, sodass die Menschen einen schlimmen Husten bekamen. Durch den steckten sie ihre Mitmenschen an. Meist starben die an Lungenpest-Erkrankten innerhalb weniger Tage.

 Die Krankheit wurde durch Flöhe übertragen, die im Fell von Ratten wohnten.
Die Krankheit wurde durch Flöhe übertragen, die im Fell von Ratten wohnten. Foto: dpa

„Ein Heilmittel gegen die Seuche kannten die Leute zunächst nicht“, erklärt Manfred Gräfe. „Auch war ihnen nicht klar, woher die Pest kam.“ Wohl aber erkannten die Menschen schnell, worauf es ankommt, um gesund zu bleiben: auf Sauberkeit achten!

Im Mittelalter war das aber schwierig. Vor allem die armen Leute wohnten dicht gedrängt. Stell dir dein Kinderzimmer vor, das du dir mit deinen Eltern und zehn Geschwistern teilst. Stell dir dazu noch zwei Eimer im Raum vor: einen, mit dem man Wasser holt und einen, den die ganze Familie als Klo benutzt. Zudem lebten Tiere nah bei den Menschen. Alle Abfälle wurden einfach auf den Straßen entsorgt.

Um den schlimmen Geruch zu vertreiben, verbrannten die Menschen zum Beispiel Weihrauch, Harze oder trockene Blätter. Tatsächlich half das ein wenig. Der Rauch hielt die Ratten mitsamt ihren Flöhen fern. Wer an Pest erkrankte, durfte keinen Kontakt zu anderen Menschen mehr haben. Die Kranken mussten in Quarantäne.

Trotzdem kam es jahrhundertelang immer wieder zu Pest-Ausbrüchen. Ein Heilmittel gegen die Krankheit wurde erst viel später gefunden

(dpa)