1. Karlo Clever

Permafrost: Eine riesige Tiefkühltruhe taut auf

Permafrost : Eine riesige Tiefkühltruhe taut auf

In manchen Gegenden ist der Boden ständig gefroren. Doch auf der Erde wird es immer wärmer. Bakterien im Boden machen sich an die Arbeit. Das wirkt sich auf das Klima aus.

Er ist eine Art gigantische Tiefkühltruhe: der Permafrost. Man findet ihn vor allem in den Polar-Regionen, also zum Beispiel in der Arktis. „Als Permafrost bezeichnet man Böden, die dauerhaft gefroren sind“, erklärt der Forscher Dirk Wagner. Die Permafrost-Böden rund um die Arktis sind schon uralt. Vermutlich etwa drei Millionen Jahre. Zum Teil sind sie bis in eine Tiefe von einem Kilometer gefroren.

„Früher dachte man, diese Böden wären steril. Es gäbe dort kein Leben. Aber das stimmt nicht“, verrät der Fachmann Dirk Wagner. In den Permafrost-Böden wimmelt es nur so von winzig kleinen Lebewesen, zum Beispiel Bakterien. Manche dieser Organismen sind im Eis eingefroren und halten dort eine Art Winterschlaf. Aber längst nicht alle. „Die meisten haben sich an diesen Lebensraum und an die niedrigen Temperaturen angepasst und sind aktiv“, erklärt der Forscher.

Kollegen von Dirk Wagner haben beispielsweise vor einiger Zeit Bakterien entdeckt, die seit mehr als zwei Millionen Jahren im Eis steckten. Trotzdem sind sie noch lebensfähig! Ein Teil der Permafrost-Böden ist ständig von Schnee und Eis bedeckt. In anderen Gebieten taut die oberste Bodenschicht im Sommer für kurze Zeit ein klein wenig auf. Weil die Temperaturen in den vergangenen Jahren auf der Erde gestiegen sind, verändern sich die Permafrost-Böden: In immer mehr Regionen tauen sie auf und die Bakterien darin werden aktiv.

Das an sich wäre gar nicht so schlimm. „Aber im Boden lagert eine riesige Menge von organischem Material. Zum Beispiel Pflanzen, die vor sehr langer Zeit abgestorben sind“, erklärt Dirk Wagner. Wenn diese Pflanzenreste auftauen, werden sie von den Bakterien zersetzt und abgebaut. Dabei produzieren die Bakterien Gase, etwa Methan und Kohlendioxid. In großer Menge sorgen diese Treibhaus-Gase dafür, dass sich die Erde weiter aufheizt. Tauen also die Permafrost-Böden, beschleunigt das die Erderwärmung. Die Forscher denken: Durch das Tauen der Permafrost-Böden könnten mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden als im Moment insgesamt in der Luft herumfliegen. Sie untersuchen die Böden weiter. Um zu erfahren, wie stark die Permafrost-Böden tauen und wie aktiv die Bakterien werden.

(dpa)