Seeadler in Deutschland: Die Könige der Lüfte kehren zurück

Seeadler in Deutschland : Die Könige der Lüfte kehren zurück

Fliegt ein Seeadler, sieht das beeindruckend aus. Kein anderer Greifvogel in Deutschland hat so große Flügel. Früher waren die Tiere fast ausgestorben. Heute brüten wieder viele hier.

„Da oben fliegt ein Adler!“ Das sagen Menschen oft, wenn sie einen Greifvogel sehen. Meistens ist es aber gar kein Adler, sondern etwa ein Bussard oder ein Milan. Adler erkennt man vor allem an ihrer Größe: Die größten unter ihnen sind die Seeadler. Sie messen von Flügelspitze zu Flügelspitze bis zu 2,40 Meter. Das ist viel mehr, als wenn ein erwachsener Mensch die Arme ausbreitet!

Wer diese tollen Vögel beobachten will, fährt am besten in die Nähe von Seen und Flüssen. Zum Beispiel zu Naturführer Martin Miethke im Naturpark Westhavelland. „Oft sind Seeadler dort, wo Wasservögel sich versammeln“, sagt er. Das liegt dar­an, dass Seeadler zum einen gerne Fische fressen. Und zum anderen jagen sie Wasservögel wie Enten, Blesshühner und Gänse.

Eine ausgewachsene, fitte Gans ist aber auch für einen Seeadler schwer zu bekommen. Oft schnappten sie sich verletzte oder kranke Tiere, sagt Martin Miethke. „Je weniger sie sich anstrengen müssen, desto besser.“ Gerade im Winter ernähren sich Seeadler auch oft von Aas, also toten Tieren. „Sie sind eher bequem“, meint der Experte.

Um einen Seeadler gut zu erkennen, ist ein Fernglas wichtig. „Man kommt nicht so nah an sie heran“, sagt Martin Miethke. Viele Seeadler flüchten schon, wenn Menschen noch mehrere Hundert Meter weit weg sind. „Wenn man aber ganz still steht, etwas versteckt, kann man Glück haben und einer kommt mal nah vorbei“, erzählt er.

Heute brüten in Deutschland wieder ziemlich viele Seeadler-Paare. Das war mal anders. Bis vor 50 Jahren lebten nur noch sehr wenige hier. Damals jagten viele Menschen die Adler. Sie fanden etwa, dass sie zu viele Fische aus den Seen holen. Die wollten die Menschen lieber selber fischen. Auch wurde damals ein Insektengift verwendet, das die Schalen der Eier dünn werden ließ. Dann zerbrachen sie oft.

„Heute sind Seeadler nicht mehr gefährdet“, sagt Lars Lachmann. Er ist Vogelexperte beim Naturschutzbund Nabu. Dass es wieder mehr Adler gibt, liegt auch daran, dass die Jagd auf sie verboten ist. Und dass dieses Insektengift verboten wurde. „Der Seeadler ist ein ganz tolles Beispiel, dass Umweltschutz funktioniert“, sagt der Experte.

Die Nester der Seeadler sind nur schwer zu finden. Gut beobachten kann man die Adler aber, wenn sie auf einer Sandbank am Wasser sitzen und sich ausruhen. Oder wenn sie auf einem hohen Baum am Rand eines Gewässers hocken und nach Beute Ausschau halten.

(dpa)