Bouldern: Abstürzen ist erlaubt

Bouldern : Abstürzen ist erlaubt

Blaue und gelbe, orange und rote Klötze hängen an den Wänden. An ihnen hangeln sich Sportler hinauf. Aber immer nur so hoch, dass sie noch abspringen können!

Theo steht vor einer senkrechten Wand. An ihr sind viele bunte Klötze in unterschiedlichen Formen und Farben befestigt. Konzentriert schaut der Elfjährige nach oben, überlegt kurz und legt los. Er fasst an einen Klotz, zieht sich hoch, stellt einen Fuß auf einen anderen Klotz. In wenigen Sekunden ist er hochge­klettert. Wobei, eigentlich ist er nicht geklettert, sondern gebouldert.

Boulder ist englisch und bedeutet Felsblock. Beim Bouldern geht es darum, Blöcke und Wände zu erklimmen. Anders als beim Klettern ist man dabei nicht gesichert. Deshalb klettert man nur so hoch, dass man noch sicher abspringen kann. Stürzt man einmal aus Versehen ab, landet man auf weichen Matten. Es gibt spezielle Boulder-Hallen mit künstlichen Wänden und Matten. Bouldern kann man auch an Felswänden in der Natur. Dann nehmen die Boulderer faltbare Matten mit.

Theo übt das Bouldern im Boulderhaus in Heidelberg im Bundesland Baden-Württemberg. Dorthin geht er seit etwa einem Jahr regelmäßig. Wie in den meisten Boulder-Hallen gibt es dort eine extra Gruppe für Kinder und Jugendliche. Eine Trainerin ist dabei und gibt Tipps. „Ich bin schon immer überall hochgeklettert, zum Beispiel auf Bäume“, erzählt Theo. „Es macht Spaß, sich eine Route auszusuchen und die dann zu schaffen.“

Die Routen sind durch die Farben der Klötze gekennzeichnet. Das Ziel ist es, nur eine Farbe zu benutzen, um nach oben zu kommen. Je nach Farbe sind die Routen einfacher oder schwieriger. „Bei schwierigen Strecken muss man vorher schon ein bisschen überlegen, wo man am besten lang klettert,“ sagt Theo.

Oft helfen sich die Boulderer untereinander. Dann steht einer unten und gibt dem anderen Tipps, wo er hingreifen und hintreten kann. An einem Felsblock hängt gerade Theos Boulder-Kollegin Ida und stöhnt: „Wo soll man denn da mit dem zweiten Fuß hin?“ Manchmal sind die Routen ganz schön knifflig.

Ida ist zwölf Jahre alt und bouldert ebenfalls seit etwa einem Jahr. Sie mag am liebsten die Routen, wo man ein bisschen kopfüber hängt. Einmal in der Woche geht Ida auch in eine Kletterhalle. Dort sichert sie sich mit einem Seil. „Beim Klettern braucht man mehr Ausdauer, weil man weiter kommt. Beim Bouldern kommt es eher auf die Technik an“, erklärt Ida. „Beides macht Spaß, weil es einfach ein tolles Gefühl ist, oben anzukommen.“

Wenn Ida und Theo eine Route geschafft haben, klettern oder springen sie runter. Und dann suchen sie sich gleich die nächste Route, um sie zu erklimmen.

(dpa)
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