Kreis Düren: Junge Europapolitiker reden Tacheles

Kreis Düren: Junge Europapolitiker reden Tacheles

Die Sprache: Tacheles pur. Kein Gefasel, kein Einwickeln der Zuhörer mit balsamisch süßen Worten. Nichts, was sonst im Publikum eine vehemente Wahlkampf-Allergie wecken konnte. Beim Europa-Abend, zu dem die politischen Jugendorganisationen von SPD, CDU, FDP und Grünen in die Räume der Dürener Arbeiterwohlfahrt an der Marie-Juchacz-Straße eingeladen hatten, ging es ohne Umschweife zur Sache.

Auf dem Podium präsentierten sich neben Skara Keller (Grüne) die Polit-Junioren Friedrich Paulsen (Juso), Hendrik Schmitz (Junge Union) und Alexander Pahr (Junge Liberale) den Fragen ihrer Zuhörer, die ihrerseits überwiegend auch aus den Reihen der Jugendorganisationen stammten. Die Gäste auf dem Podium waren nur wenig älter als sie, was für ein zumindest annähernd gleiches Lebens- und Sprachgefühl sorgte.

Bemühte Jugendlichkeit in Themenwahl und Ausdrucksweise hätte schon deswegen aufgesetzt gewirkt und wäre wohl vom Publikum in Düren als peinlich empfunden worden.

Dass die Europäische Union und ihr Parlament sein müssen - das war für die Diskussionsteilnehmer überhaupt keine Frage. Freilich gab es nichtsdestotrotz viele Bürokratie-kritische Stimmen im Saal - und auch auf dem Podium. Skara Keller aus Guben in der Lausitz, die von allen wohl die weiteste Anreise hinter sich gebracht hatte, machte dann auch klar, dass sie am Gestaltungsprozess einiges verbessert sehen will: „Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung”, forderte sie.

Die Eurokratie-Kritik stellte übrigens nicht den einzigen kontroversen Tagesordnungspunkt dar. Eine zeitweise sehr emotionale Debatte entwickelte sich bei der Grundwerte-Diskussion, bei der der Gottesbezug einer eventuellen europäischen Verfassung im Mittelpunkt stand. Hendrik Schmitz als Christdemokrat sprach sich unumwunden dafür aus, da seinem Empfinden nach religiöse Kultur und moderne Demokratie mit einander verbunden seien.

Bei Friedrich Paulsen und Skara Keller fand Schmitz´ Haltung indes kein Wohlgefallen. „Wir haben doch längst andere, universellere Werte”, gab der aus dem Kreis Steinfurt in Westfalen stammende Juso zu bedenken. Die Grüne aus dem Bundesland Brandenburg brachte ihre Position anders auf den Punkt: „Es gibt so viele Götter”, meinte sie. Dem Christentum fiele schon lange kein besonderer Vorrang mehr zu.

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