Stolberg-Atsch: Jubiläum wird drei Jahre zu spät gefeiert

Stolberg-Atsch : Jubiläum wird drei Jahre zu spät gefeiert

Vielleicht hat ja der Wunsch nach einer zünftigen Karnevalsfeier den Blick auf die Zahlen ein wenig getrübt. Jedenfalls ging das „Komitee Stolberger Karneval” irrtümlich davon aus, dass sich der erste Rosenmontagszug in der Kupferstadt vor 125 Jahren formierte.

„In Wahrheit feiern wir das Jubiläum drei Jahre zu spät. Tatsache ist, dass bereits 1881, also vor 128 Jahren, der erste Rosenmontagszug durch die Straßen Stolbergs zog”, versicherte Leo Hoesch: „Ich habe Originaldokumente, die das belegen”, schmunzelte der Generalmajor der Prinzengarde der KG Erste Große, der am Sonntag beim Jubiläumsfest in der Atsch die Laudatio hielt.

Mit Daten und Fakten nimmt es Hoesch genau, hat er sich doch intensiv mit der Geschichte des Stolberger Fastellovend befasst. Darum wurde Hoesch auserkoren, das Jubiläum zu würdigen.

BösÔ war über den „Rechenfehler” aber niemand: Ob nun drei Jahre zu spät oder zu früh gefeiert wird, ist den Karnevalisten im Großen und Ganzen schnuppe. Was zählt ist, dass gefeiert wird. Was zweifelsohne der Fall war, sprach der Besucherandrang doch für sich.

Der Verein, der den ersten Rosenmontagszug durch Stolberg schickte, hieß „§11”. Eine lange Ära war der Karnevalistenriege nicht beschieden, ein Skandal war ihr Verderben. „Auf einer Herrensitzung hatte ein Vorstandsmitglied einer Dame aus der âbesseren GesellschaftÔ diverse Liebschaften nachgesagt”, erzählte Leo Hoesch.

Auch ein Wechel im Vorstand nutzte nichts: Für „§11” war das Ende gekommen.

Hoesch blätterte weiter zurück in der Stadtgeschichte: „Vorläufer der Rosenmontagszüge waren die Maskenfeste der Kupfermeister, obschon der Karneval im Hinblick auf die damalige Lebensauffassung der Lutheraner eher zu verurteilen war.”

Als der erste Rosenmontagszug durch Stolberg zog, kostete ein Glas Bier nur einen Groschen, berichtete Leo Hoesch. Beim Jubiläumsfest musste der Besucher zwar etwas mehr dafür auf die Theke legen, bekam aber original Ketschenburger ausgeschenkt.

Anlässlich des Jubiläumsfestes hatte das Komitee eigens 200 Liter des traditionsreichen Stolberger Bieres brauen lassen. Die alte Brauerei schloss 1985 ihre Pforten. Die Rezeptur von 1817 hingegen ist erhalten: die Tollität 2002, Prinz RüdigerII. (Froeschen), lässt es seit wenigen Wochen wieder brauen.

Wenngleich für Besucher Wolfgang Kasper das Ketschenburger nicht eben auf Rang1 der Bierhitliste rangiert, so freute er sich riesig, den alt vertrauten und lang entbehrten Geschmack wieder kosten zu dürfen. „Durch den Ausschank des Ketschenburgers lebt eine altstädtische Kultur Stolbergs wieder auf”, formulierte es Kasper von den Donnerberger „Hubääte”.

Auch Herbert Lechner, Mundschenk der „Wenkbülle”, freute sich über den Ketschenburg-Genuss. „Zu Hause habe ich noch eine ungeöffnete Flasche, für die man mir schon 50 Euro geboten hat”, sagte Lechner, „aber die abzugeben, kommt nicht in Frage”.

Derweil war auf der Bühne jenseits des Bier- mehrere Stunden Programm-Genuss angesagt. Gestaltet wurde es von Stolberger Gesellschaften. Ausnahme bildeten die „Fröngde”, die aus Eschweiler kamen, um den Kupferstädtern musikalisch zu gratulieren.

Die Tollitäten im Gefolge ihrer der Gesellschaften wurden von Komiteepräsident Josef Behlau besonders herzlich begrüßt. Unter ihnen war auch Stolbergs designierter Prinz JochemI. (Reitze), dessen Herz für den Volkskarneval schlägt und der spontan die „Hubääte vom Sender” zu sich auf die Bühne holte. Fast alle Gesellschaften des Komitees betraten mit zahlreichen Kindern und Jugendlichen die Bühne.

Dem Komitee muss also für die Zukunft nicht bange sein, wenn es - nach aktueller Zeitrechnung - 2013 das 12x11.Jubiläum des Rosenmontagszugs (nach 132 Jahren) feiern möchte...