Aachen: „Jetzt ist das Visier offen für den Karneval”

Aachen : „Jetzt ist das Visier offen für den Karneval”

„Jetzt ist das Visier offen für Aachen und den Karneval”, meint lächelnd Kardinal Karl Lehmann, als er am Freitag um kurz nach vier die Dom-Kulisse im Eurogress betritt.

Nur kurz hat er bei Bischoff Heinrich Mussinghoff hereingeschaut, um für die nächsten beiden Tage seine Koffer dort zu deponieren, dann ist er zur Stätte geeilt, an der er am Samstag den Orden wider den tierischen Ernst erhält.

Bewundernswert, mit welch stoischer Ruhe er in das turbulente Finale einer Woche eintaucht, die ihm zuvor bereits zwei Kurzreisen nach Berlin, ein Treffen mit Intendanten und anderen hohen Kirchenvertretern in München sowie eine Benefizgala im heimatlichen Mainz beschert hat.

Noch bleibt es bei winzigen Kostproben seiner Reim-Rede, denn hinter verschlossenen Türen dürfen alle prominenten Teilnehmer noch einmal ungestört proben und feilen. Anders als das gemeine karnevalistische Volk, dessen Tanzschritte und Gesänge dem kritischen Urteil von WDR-Regisseur Arno Imhoff und Drehbuchautor Claus Schmitz ausgesetzt sind.

Doch der Ton bleibt ausgesprochen freundlich, so reibungslos wie diesmal hat es noch selten bei einer Generalprobe geklappt.

Nur einer packt enttäuscht die Koffer: Sänger Marc, der seine ruhige Ballade „Aachen ist anders” nicht mehr im sonst eher karnevalistischen Finale bringen soll, verzichtet auf einen möglichen Auftritt gleich nach dem Abschalten der Fernsehkameras und geht.

„Bleib jeder mir ein treues Schaf. In diesem Sinn: Oche Alaaf!”, beendet im gleichen Moment der designierte Ritter seine Kurzprobe - im schwarzen Ornat. Am Samstag, da wird er als Hirte im grünen Gewand daherkommen, das Kostümbildnerin Lisa Borgert geschneidert hat. „Letzte Woche war sie zum Anprobieren bei mir in Mainz”, sagt er. „Das Kostüm passt prima und gefällt mir gut.”

Auch das schwarz-grüne Europaparlamentarier-Gespann in der AKV-Bütt, Armin Laschet und Cem Özdemir, hält sich mit öffentlichen Dialogen noch zurück. Aber so viel verraten die beiden schon: Der erste grüne Politiker mit Groß-Auftritt im Öcher Fastelovvend wird als „typisch deutscher” Konservativer daherkommen, der Öcher CDU-Abgeordnete dagegen als orientalisch angehauchter Progressiver. Einstweilen genießen sie die Atmosphäre im Eurogress und scherzen abseits ihrer Redemanuskripte mit den Umstehenden.

Ansonsten ist die Prominenz diesmal rar bei der Durchlaufprobe. Laudator Henning Scherf befindet sich noch auf dem Schienenwege Richtung Aachen und Oblatenkloster, Thomas Borer-Fielding im Anflug auf Köln, Guido Westerwelle auf dienstlichen Terminen.

Regisseur Imhoff hat dennoch einen guten Eindruck. „Kölle Alaaf”, entfleucht es ihm beim Animieren der Akteure. Und das kann ja nichts anderes bedeuten, als das er sich in Aachen fast so wohl fühlt wie zu Hause...