Langerwehe: Jecker Pfarrer predigt in Reimform

Langerwehe : Jecker Pfarrer predigt in Reimform

Nach seinem Lieblingswitz gefragt, braucht der Langerweher Pfarrer Rüdiger Hagens (48) nicht lange zu überlegen: Ein Pastor hat Besuch von seinem Bischof. Der Bischof ist etwas verwundert, als er merkt, dass der Pfarrer zwei blutjunge, 20-jährige Haushälterinnen hat.

„Wäre es nicht besser und angemessener, lieber Mitbruder, du hättest nur eine Haushälterin, die so um die 40 Jahre alt wäre?” „Das habe ich ja versucht, ehrwürdiger Bischof”, antwortet der Pfarrer. „Aber ich habe keine 40-Jährige gefunden. Und da habe ich halt gedacht, dass ich zwei Haushälterinnen nehme, die 20 sind.”

Pastor Rüdiger Hangens, der seit 1997 Pfarrer und beliebter Seelsorger in der Töpfergemeinde Langerwehe ist, liebt den Karneval. Immer am Orchideensonntag predigt er morgens in der Messe in Reimform und mit Narrenkappe, und nachmittags ist er mit den St.-Sebastianus-Schützen im Karnevalszug unterwegs.

Zudem verkörpert er gemeinsam mit Werner Gossel das Duo „Herr April und Frau Schmitz”, die beiden sind als Büttenredner bei der Sitzung des Langerweher Orgelbauvereins (am 7. Februar ab 19.11 Uhr im Pfarrheim) unterwegs und auch bei Karnevalsveranstaltungen des Wenauer Kirchenchores und einer Seniorensitzung der Heisterner Karnevalsgesellschaft KaGeHei.

„Für mich hat Karneval durchaus seine Berechtigung”, sagt Hagens. „Und hängt auch durchaus eng mit Kirche zusammen. Es wird die Frohe Botschaft verkündet, und das gilt natürlich auch Karneval.” Sicher, so der Seelsorger weiter, habe der Karneval auch negative Seiten. „Zum Beispiel, wenn Leute mit Vorsatz zu tief ins Glas schauen. Aber es ist doch toll, dass man an Karneval Dinge sagen kann, die man sonst nicht so ohne Weiteres sagen würde. Und eine gute Büttenrede fand ich immer schon interessant.”

Eine „gute Büttenrede” ist für Rüdiger Hagens eine, die immer oberhalb der Gürtellinie bleibt, eine, die Menschen karikiert, ohne sie zu beleidigen, und eine, die die Dinge auf die Schüppe nimmt. „Ich finde, dass es wichtig ist, dass auch mal ein Narr in der Kirche predigt. Es geht doch um die Freude des Evangeliums. Und die katholische Kirche ist doch kein reiner Beerdigungsverein.”

Wenn Rüdiger Hagens mit Werner Gossel als „Herr April und Frau Schmitz” unterwegs ist, hat die Rede der beiden immer ganz deutlichen, lokalen Bezug. „Es gab mal eine Pfarrsekretärin in Langerwehe, die hieß Frau May. Und deswegen bin ich bei unserem Duo Herr April. Sozusagen als Hommage an Frau May. Und eigentlich ist unsere Büttenrede nur zu verstehen, wenn man Êsich auch ein bisschen in der Pfarre auskennt.”

Auch seine Predigt an Karnevalssonntag hat deutlichen lokalen Bezug, aber nicht nur. „Ich weiß noch nicht genau, was in diesem Jahr alles in der neuen Predigt vorkommt”, betont Hagens. „Aber vielleicht geht es um die Finanzkrise oder auch darum, dass Langerwehe bald einen neuen Pastor bekommt”, schmunzelt Hagens, der die Töpfergemeinde im Sommer verlassen möchte.

Übrigens kann jeder die gereimten Predigten von Pfarrer Hagens auch nach Karneval zum Nachlesen bekommen. „Die sind bei mir in einem Ordner mit dem Titel „Karneval und Aschermittwoch”. Weil Karneval und die anschließende Fastenzeit ja auch eng zusammenhängen.„ Die „Fünfte Jahreszeit” sei durchaus eine geprägte Zeit. Eine Zeit, in der man in Gemeinschaft etwas miteinander unternehmen könne. „Aber mit dem Aschermittwoch kommt dann eben wieder etwas Neues. Etwas, das auch seine Berechtigung hat. Aber vielleicht kann man ja von der Karnevalszeit etwas für Aschermittwoch mitnehmen.”