Brüssel: Javier Solana: „Der wichtigste Preis in meinem Leben”

Brüssel : Javier Solana: „Der wichtigste Preis in meinem Leben”

Äußerlich wirkt Javier Solana harmlos und nett. Der EU-Chefdiplomat scheint der komplette Gegenentwurf zu der Sorte kühl dreinblickender Machtpolitiker zu sein. Auch als das Karlspreisdirektorium dem 64-Jährigen gestern in Brüssel die Auszeichnung offiziell antrug, zeigte sich der Spanier von seiner sympathischen Seite.

Als ein Journalist von ihm wissen will, ob er die Stadt Aachen schon einmal besucht habe, antwortet der „Hohe Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” mit einer Gegenfrage: „Kommen Sie aus Aachen?” Der Berichterstatter nickt, und Solana lächelt: „Sie können sich glücklich schätzen.” Er sei viele Male in diesem „eindrucksvollen Ort” gewesen, „fast jedes Jahr” sei er gleichermaßen beeindruckt von den feinen historischen Gebäuden und dem europäischen Geist, der durch die Straßen wehe. Sein Vater habe ihn vor Jahrzehnten erstmals durch die ihm lieb gewordene Stadt geführt.

Immerhin hat er bereits einmal Karlspreis-Luft schnuppern dürfen: im Jahr 1993, als Ministerpräsident Felipe González ausgezeichnet wurde und Solana als Außenminister der spanischen Delegation angehörte.

Vier Spanier

Mit dem früheren Nato-Generalsekretär wird am 17. Mai im Krönungssaal zum vierten Mal ein Spanier geehrt. Solanas Onkel Don Salvador de Madariaga (1973) sowie König Juan Carlos I. (1982) waren seine prominenten Vorgänger. „Damit dürften wir an der Spitze liegen. Wer sollte außerdem mehr über den Karlspreis wissen als wir Spanier”, konstatierte der europäische „Außenminister”.

„Vielleicht wir Deutsche”, entgegnete Oberbürgermeister Jürgen Linden eher zaghaft, während Andr? Leysen vom Vorstand der Karlspreisstiftung geschickt konterte: „Proportional zum Bevölkerungsanteil liegt Belgien in Sachen Karlspreis und Michelin-Sterne an erster Stelle.” Mit Paul Henri Spaak, dem früheren Generalsekretär der Nato (1957), und dem ehemaligen belgischen Ministerpräsident Leo Tindemans (1976) stellt der Beneluxstaat zwei Karlpreisträger.

Solana freut sich jedenfalls sehr auf den Himmelfahrtstag: „Ich bin sehr bewegt. Für mich ist das die wichtigste Auszeichnung in meinem Leben.” Der Karlspreis sei kein Zeichen dafür, dass Arbeit erledigt sei: „Er wird mir die Kraft geben, um weiter für Europa zu arbeiten. Nachdem der Friede durch das Miteinander hier gesichert ist, wäre das nächste große Ziel der Friede auf der Welt.”

OB Linden bestärkte den designierten Preisträger in seinem Engagement: „Der Preis ist eine Auszeichnung für die harte Arbeit, den europäischen Integrationsprozess weiter voranzutreiben.”

Aachen fühle sich, so Linden, „sehr geehrt, dass Javier Solana den Karlspreis entgegennehmen will”.

Auch Solana freut sich auf das Fest rund um Dom und Rathaus. In Begleitung seiner Frau und seiner Kinder sowie zahlreicher politischer und familiärer Freunde will er bereits einen Tag vor der Verleihungszeremonie nach Aachen reisen.

Nicht alle Aachener werden dem diesjährigen Karlspreisträger dann zujubeln. Linkspartei und Friedenspreis haben Kritik beziehungsweise Demonstrationen angekündigt, weil Solana seinerzeit als Nato-Generalsekretär die europäische Außenpolitik militarisiert habe. Für sie ist er nicht der harmlose Politiker.