Kreis Heinsberg: Jahr für Jahr werden 14.000 Kubikmeter Holz gefällt

Kreis Heinsberg: Jahr für Jahr werden 14.000 Kubikmeter Holz gefällt

Der Lagebericht klingt wenig erfreulich. Nur noch jeder vierte Baum in Nordrhein-Westfalen ist laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel ohne Schäden. Während sich die Gesundheit der widerstandsfähigen Laubbäume leicht verbessert habe, litten Nadelbäume wie Fichten und Kiefern stark unter Trockenstress. Letzteres kann Revierförster Wolfgang von der Heiden nur bestätigen.

Der Chef über 2200 Hektar Wald zwischen Heinsberg, Gangelt, Geilenkirchen, Selfkant, Übach-Palenberg und Waldfeucht beschreibt das so: „Die Kiefernkronen sahen dieses Jahr sehr licht aus, weil die alten Nadeljahrgänge von den Kiefern abgeworfen worden sind.“

Revierförster Wolfgang von der Heiden lässt für geschlagene oder abgestorbene Bäume bis zu 40 000 neue im Jahr pflanzen. Foto: Rainer Herwartz

Im Juli und August habe es leider fast keinen Niederschlag gegeben. „Das hat die Bäume natürlich besonders gestresst, insbesondere auf den leichten Böden, die sowieso zur Austrocknung neigen.“ Die Fichte, deren Zustand der Minister auch beklagte, spiele in der hiesigen Region aber kaum eine Rolle. „Sie ist hier nur eine Randbaumart, weil sie klimatisch nicht passt. Sie erhält schon in normalen Jahren zu wenig Wasser.“

Ob sich der Waldzustandsbericht NRW komplett auf die Waldgebiete vor unserer Haustür übertragen lässt, kann Von der Heiden nur vermuten. „Man kann das nur auf Landesebene mit Prozentzahlen belegen, weil die Waldschadenserhebung in einem Rasternetz erfolgt“, erläutert er. „Und nur da, wo die Schnittpunkte des Rasters in Wald fallen, da wird der Bestand aufgenommen und begutachtet. In meinem Zuständigkeitsbereich fallen die Schnittpunkte allerdings alle auf landwirtschaftliche oder bebaute Fläche.“

Die Hauptursache für die Schäden an den Bäumen sieht der Revierförster in den Schadstoffen, die sich in der Luft befinden und nicht in der mangelnden Bewässerung. Spontan nennt er hier Stickoxide aufgrund jeder Form von Verbrennung oder Ammoniak, das sich aus dem Kot in Mastbetrieben verflüchtigt.

„In unserem Kreis wird dies noch überlagert durch Grundwasserabsenkungen, vor allen Dingen durch den Bergbau.“ Kiefern und Pappeln seien in seinen Wäldern die dominierenden Baumarten, und gerade die Pappel sei von den Grundwasserabsenkungen stark betroffen. „Wenn ein Baum kaum noch Blätter und Feinreisig aufweist, dann ist er je nach Intensität mittel oder schwer geschädigt“, erläutert Von der Heiden. „Das hat zur Folge, dass er entweder abstirbt oder zumindest Zuwachsverluste hat. Das heißt, er produziert nicht mehr so viel Holzmasse wie ein gesunder Baum.“

Die Gefahr, dass die Wälder in absehbarer Zeit von der Bildfläche verschwinden, bestehe zum Glück nicht, so Von der Weiden. „Der Baumbestand wird in der Summe nicht weniger, aber durch gezielte Pflanzmaßnahmen von so genannten klimaplastischen Baumarten wie Douglasie oder Rotbuche systematisch verjüngt.“ Klimaplastisch bedeutet dabei nichts anderes, als das eine Baumart eine große Spannbreite klimatischer Verhältnisse verträgt. „Auch die Eiche kommt dafür in Frage.“

Die Eiche? Wird sie nicht mittlerweile aus den Städten verbannt aus Furcht vor dem Eichenprozessionsspinner, der in der Vergangenheit immer wieder bei Menschen zu schmerzhaften Hautirritationen führte, wenn sie mit ihm in Berührung kamen? In diesem Punkt kann der Revierförster beruhigen. „Der Eichenprozessionsspinner ist ein Wärme liebender Schmetterling, der erst seit einigen Jahren aufgrund wärmerer Sommer wieder ansässig wurde. Er stellt ein Problem daher vornehmlich an Bestandsrändern und Einzelbäumen dar, wo die Temperaturen höher sind.“ Nicht jedoch im Wald.

Seit zwei Wochen am Werk

Vor etwa zwei Wochen hat der Revierförster seine Mitarbeiter mit dem Holzeinschlag beginnen lassen. So etwa bis Mitte April werden nun die Kettensägen zu hören sein. Er wartet in jedem Jahr die „Saftruhe“ ab. „Sonst würde das Holz noch im Wald liegend durch die enthaltenen Zuckerstoffe von Pilzen angegriffen.“

Aus dem gesamten Kreisgebiet werden rund 14.000 Kubikmeter verarbeitet. Die Palette reicht von schlichtem Brennholz bis zum Furnierholz, das von einigen Pappeln sogar bis nach China geliefert wird. Und damit der Kreislauf hoffentlich nie ein Ende nimmt, warten auch schon gleich wieder 30.000 bis 40.000 Neupflanzen auf viele fleißige Hände.