Kreis Heinsberg: Israelischer Buchautor erzählt 400 Schülern von Naziherrschaft

Kreis Heinsberg: Israelischer Buchautor erzählt 400 Schülern von Naziherrschaft

Bewegt und beeindruckt zeigten sich rund 400 Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg Wirtschaft des Kreises Heinsberg von den Ausführungen des israelischen Buchautors Sally Perel. Der 89-Jährige erzählte im Forum des Berufskollegs in Geilenkirchen von den schrecklichen Ereignissen während der Naziherrschaft.

Als Hitlerjunge war es ihm gelungen, seine jüdische Herkunft zu verbergen und die NS-Zeit zu überleben. Im Rahmen einer durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern — Kompetenz stärken“ und vom Kirchenkreis Jülich geförderten vierstündigen Veranstaltung mit dem Titel „Blick zurück nach vorn: Nein — Rassismus! Ja — Zivilcourage!“ stellte Perel seine Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ vor und beantwortete auch Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Gefragte Unterschrift: Der israelische Buchautor und Überlebende der NS-Zeit, Sally Perel, signierte nach seinem Vortrag im Berufskolleg Wirtschaft seine Autobiografie. Fotos (2): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz

„Wie verhalten Sie sich Menschen mit rechtsradikaler Gesinnung gegenüber?“ So fragte ein Schüler. „Nicht weglaufen, mit ihnen in Kontakt treten. Ich suche den Dialog.“ So lautete die Antwort von Sally Perel. „Nicht mit Gewalt, nur über das Gespräch kann man etwas erreichen“, machte er weiter klar. „Ich glaube an das Gute im Menschen“, zitierte Perel dann Anne Frank.

Nach dem Vortrag von Sally Perel und der Gesprächsrunde wurde dem Berufskolleg Wirtschaft die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ vom gleichnamigen Netzwerk verliehen. Die entsprechende Urkunde übergab Silke Peters aus Aachen an Schulleiterin Gabriele Kaspers.

Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte Landrat Stephan Pusch übernommen, der es als notwendig und wichtig bezeichnete, gerade Schülerinnen und Schüler in die Themenstellung um den Kampf gegen Rassismus mit einzubinden. Der Blick zurück helfe, den Blick nach vorne zu richten, um ein Zusammenleben ohne Rassismus und Vorurteile zu erreichen.

„Im Kreis Heinsberg besteht seit einiger Zeit ein breiter Konsens, dem politischen Extremismus öffentlich entgegenzutreten“, sagte Pusch in seiner Rede. Es sei ein guter Ansatz, einfach daran zu erinnern, was es bedeute, wenn der politische Extremismus siege, wenn eine menschenverachtende und brutale Ideologie ihre Terrorherrschaft ausüben dürfe. Aus der Erinnerung könnten die Menschen lernen, „wie wir uns hier im Kreis Heinsberg in Gegenwart und Zukunft mit der Thematik von Hass, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu befassen haben“. Pusch zitierte den verstorbenen Heimathistoriker Leo Gillessen: „Ideologisch unterscheiden sich Neonazis, die die Hitlerzeit nicht erlebt haben, nicht grundsätzlich von den Alt-Nazis.“ Sie würden sich genauso durch extreme Ablehnung gesellschaftlicher Minderheiten auszeichnen und die Demokratie und ihre persönlichen Gegner verachten. Die Veranstaltung im Berufskolleg sei eine Aufforderung an die Gesellschaft, ­einer derartigen Entwicklung entgegenzutreten, mahnte Stephan Pusch. Dabei seien alle gefragt, wenn es darum gehe, Rassismus, Fremdenhass und gesellschaftlicher Ausgrenzung Einhalt zu gebieten.

Seit Wochen hatte sich das Berufskolleg auf die Thematik vorbereitet. Der Besuch einer Moschee sowie einer Ausstellung über die Ereignisse in der Nazizeit und eine Studienfahrt nach Krakau und Auschwitz machten die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema vertraut. „Wir sind stolz, verschieden zu sein“, machten die Schüler des Berufskollegs aus rund 50 Ländern in ihrer Heimatsprache in Video-Botschaften unmissverständlich deutlich. „Es wird wenige Gelegenheiten geben, wo ich ein so großes Auditorium so gebannt und so gerührt erleben darf“, sagte Schulleiterin Gabriele Kaspers zum Schluss, bevor die jungen Menschen auf dem Schulhof ein paar Hundert Luftballons aufstiegen ließen.

(gs)