Hambach: In 33 Jahren 7000 Pflanzendaten gesammelt

Hambach: In 33 Jahren 7000 Pflanzendaten gesammelt

Wenn Heinz-Josef Rosenkranz spazieren geht, lässt der 67-Jährige nicht nur einfach die Seele baumeln. Sein wacher Blick gilt immer zuerst der Natur. Der frühere Konrektor der Grundschule Niederzier ist einer von rund 1300 ehrenamtlichen Pflanzenbeobachtern des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

„Und ein ganz exzellenter dazu”, betonte Brigitte Klante vom DWD im Niederzierer Rathaus, bevor sie den Hambacher im Auftrag von Bundesminister Dr. Peter Ramsauer mit der selten vergebenen Wetterdienstplakette auszeichnete. Und die Expertin weiß, wovon sie spricht.

Als Leiterin der Abteilung für Agrarmeteorologie beim DWD in Geisenheim ist sie auf verlässliche Beobachtungen der Pflanzenwelt angewiesen, beispielsweise um aussagekräftige Prognosen für die Landwirtschaft im Rheinland zu treffen, die per Wetterfax auf den Schreibtischen der Bauern landen, Blühvorhersagen für Imker und Allergiker zu erstellen oder ein Modell zur Berechnung der Waldbrandgefährdung, „das zwingend auf phänologische Beobachtungsdaten angewiesen ist”, erklärt Klante.

Rosenkranz sammelt im Rahmen des phänologischen Beobachtungsprogramms des DWD seit über 33 Jahren tagein tagaus Daten über 45 verschiedene Pflanzen, dokumentiert detailliert ihre Entwicklung im Jahresverlauf - von der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling bis zum Nadelfall der Lärche im Spätherbst. Zum einen gibt er Sofortmeldungen ab, wenn er beispielsweise die erste Birke blühen sieht, zum anderen hat er, um die Vergleichbarkeit der Daten sicherzustellen, feste Anlaufpunkte, beispielsweise die Süßkirsche im Garten seines Bekannten Franz Hamachers. Seit Heinz-Josef Rosenkranz sie beobachtet, variiert ihr Blütebeginn zwischen dem 18. März und dem 30. April.

Knapp 7000 Beobachtungen hat der 67-Jährige seit 1978 an den Wetterdienst übermittelt; mit einer Konstanz und Genauigkeit wie sie auch Brigitte Klante selten gesehen hat. „Haben Sie in all den Jahren überhaupt Urlaub gemacht?”, fragte sie bei der Verleihung angesichts der überwiegend komplett vorliegenden Datenreihen jeder einzelnen Pflanze. „Dann haben mir mein Sohn oder Landwirte aus dem Ort geholfen”, verriet Rosenkranz bei der kleinen Feierstunde im Rathaus, an der auch Bürgermeister Hermann Heuser und Ortsvorsteher Klaus-Peter Graß teilnahmen.

Die von Rosenkranz gesammelten Daten dienen auch der Klimaforschung. Sie belegen nicht nur, dass das Pflanzenwachstum in diesem Jahr gut zwei Wochen der Zeit voraus ist, sondern geben auch Aufschluss über Klimaveränderungen. „Denn die Entwicklung der Pflanzen ist maßgeblich vom Klima gesteuert”, betont die Expertin und bestätigt, anhand der Daten von Heinz-Josef Rosenkranz, was viele Bürger auch im Kreis Düren subjektiv längst festgestellt haben dürften. „Der Frühling beginnt seit Ende der 80er Jahre häufig früher und die Winter werden wärmer.”

Und um dieser „spannenden Entwicklung” auf den Fersen zu bleiben, wird der Hambacher weiter mit wachem Blick durch die Fauna streifen und seine Beobachtungen dem Deutschen Wetterdienst mitteilen.