Im Wortlaut: Die Ritterrede von KarI Kardinal Lehmann

Im Wortlaut: Die Ritterrede von KarI Kardinal Lehmann

In Aachen bin ich angekommen, verehrte Gäste in der Rund, hab einen weiten Weg genommen, lief Tag und Nacht so manche Stund.

Ein Hirte bin ich, wie Sie sehen, trieb meine Herde meilenweit, wollt pünktlich auf der Bühne stehen zum Ritterschlag zur rechten Zeit.

Entlang des Rheins bin ich gezogen, verlor dabei kein einzig Schaf. Nun hoff ich, ihr seid mir gewogen. Seid mir gegrüßet mit „Alaaf”.

Doch sag ich gleich: ich steh nicht ewig in eurem legendären Käfig, sonst schreibt die Zeitung - das wär bitter: „Der Mainzer Lehmann hinter Gitter”.

Drum gebt mir, liebe Ordensbrüder, per ipsum meine Freiheit wieder! Denn das höchste Glück auf Erden hab ich inmitten meiner Herden.

Ein Hirte ist auf alle Fälle ein Leben lang nur Junggeselle. Kein Wunder, wenn man Tag und Nacht den Arbeitsplan genau betracht.

Ich seh auch dann, wenn andre schlafen rund um die Uhr nach meinen Schafen, bin sehr zufrieden, fühl mich gut, wenn auch mein letztes Schäfchen ruht, und hab darum, das tut mir leid, für Frau und Kinder keine Zeit.

Schon Papst Johannes XXIII hat gesagt:

„Man kann zwar mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber auch mit einem Besen”.

Doch ich bin froh für meine Arbeit!

Früher hieß es: „Ora et labora” - bete und arbeite. Benedikt von Nursia

Heute heißt es: „Ora pro labore” - bete um Arbeit! Wolfgang Clement

Apropos Arbeit! Ordensbruder Henning Scherf weiß gewiss, was Behörden und die Bremer Stadtmusikanten gemeinsam haben: Oben wird laut gekräht, in der Mitte legen Hund und Katze die Pfoten auf den Tisch, und die Esel unten haben die ganze Last zu tragen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dich, lieber Ordensbruder Henning Scherf, offiziell vom Freitagsgebot befreien, an diesem Tag kein Fleisch zu essen. Denn bei deiner Körpergröße ist es ohnehin Samstag, bis das im Magen ist.

Als Hirte hör ich gerne nicht, wenn man von schwarzen Schafen spricht, weil alle, die ich bei mir find, fast überwiegend schwarze sind.

Aber ich will nicht schwarz-weiß malen. Farben bestimmen unser Leben, und sie haben eine große Symbolkraft: Rot ist -- die Liebe, Grün ist -- die Hoffnung, Gelb ist -- -- -- der Strom?

Selbst für bestimmte Berufsstände sind Farben wichtig: So ist blau die Farbe der Philosophen, weil sie uns das Blaue vom Himmel erzählen, grün ist die Farbe der Chirurgen, weil der grüne Rasen ihre Opfer bedeckt, und schwarz ist die Farbe der Kleriker, weil die Unschuld weiß ist.

Die ganze Herde, ohne Faxen, ist dennoch mir ans Herz gewachsen. Ein guter Hirte, Gott behüt, der macht doch keinen Unterschied woher sie kommen, wer sie sind und was ein Schäfchen so empfind. Im Saal hier alle Schafe zähl i(s)ch: Fünfzig Prozent sind evangelisch.

Wenn mah so sieht, wie auch das Schaf voll Liebe rücksichtsvoll und brav bei Tag und Nacht sein Lamm betreut und dabei keine Mühe scheut, könnt man sich denken, dass ein Kind, wie man es oft bei Menschen find, hätt lieber statt feudalem Futter auch so ein Super-Schaf als Mutter.

Ich frage hier mal ganz dezent, wer denn von Ihnen Dolly kennt? Ich denke nicht an manches Laster, ich mein das Schaf und nicht Frau Buster, das Tier, das für uns Ungewohnte, das man in England damals klonte, das weltweit großen Ruhm erwarb und doch nach kurzer Zeit schon starb.

Nachdem das Herz nun nicht mehr klopft, da hat man Dolly ausgestopft. Und die Moral von der Geschicht, dies ist zu sagen meine Pflicht: Der Schöpfergott ist doch nicht dumm, drum murkst an seinem Werk nicht rum. Nicht nur ein Hirte weiß auf Erden: Was lebt, muss auch behütet werden.

Man sieht es jeden Tag: Die Inflationsrate unseres Könnens steigt an; wir kommen mit der Technik vom Hundertsten ins Tausendste ...

Für viele Hundertprozentige, Überzeugte und Ehrgeizige ist es aber ein Glück, dass die katholische Kirche nur heilig und nicht unheilig spricht.

Doch will ich jetzt, statt viel zu richten, von meinem langen Weg berichten: Rheinhessens Fluren, Orte, Gassen, hab ich recht schnell zurückgelassen.

Nach Bingen gings den Rhein hinunter, wo Hildegard vor tausend Jahren mit Kräutern machte Kranke munter, die auch den Tieren nützlich waren.

Weil Medizin sich jedermann auf Dauer nicht mehr leisten kann, halt ichs erfolgreich lange schon mit guter, alter Tradition:

Es muss bei jedem Zipperlein nicht gleich Gen- und High-Tech sein! Nicht jeder Fettring um den Bauch braucht unbedingt den Absaugschlauch. Schnallt euch den Gürtel einfach enger, dann seid ihr schlank und lebt auch länger.

Als ich bei meinen Schafen wacht, mir Ulla Schmitt die Botschaft bracht: „Schlaf weiter schön gesund auf Stroh!” Benedicamus Domino!!

Denn da man eifrig und forciert unsre Gesundheit reformiert, blick ich voll Sorge auf die Schafe. Dann steht sogar im tiefsten Schlafe ein mahnend Wort der Schrift vor mir Ezechiel, 34 - 4:

„Die schwachen Schafe stärkt ihr nicht, die kranken Schafe heilt ihr nicht!” Da wünsch ich mir zu diesem Stück mehr bibelfeste Politik!

In Bonn ließ ich die Hämmel springen, weil mans noch kennt vom Hammelsprung, und ließ in meinem Herzen klingen viel freudige Erinnerung.

Wer dieses Wort wohl hat erfunden? Es ist ein Unwort, wie ich find. Denn wer möcht damit schon bekunden, dass Volksvertreter Hämmel sind?!

Dennoch sollte ich manchen von ihnen meinen Hirtenmantel empfehlen, denn er schützt bei Wind und Wetter und ist sehr verlässlich. Jene aber hängen ihr Mäntelchen oft schon andersherum, bevor der Wind überhaupt gedreht hat. Und ich vermute, dass bei denen, die ihre Schäfchen schnell ins Trockene bringen, sich die Tierliebe auf ihre eigenen Mäuse beschränkt.

Als meine Herde Köln erreichte, da dachte ich an manches Leichte, was dort in bunter Narrenwelt als Bütten-Blüte dargestellt. Da blökt bei mir fast jedes Schaf ein unvermeidbar „Kölle Alaaf”.

Sieht man zu manchem Narren hin, hat man den Eindruck, dass für ihn das Königstrio, das geehrte und in Colonia hochverehrte, statt Kaspar, Melchior, Balthasar nur Jungfrau, Prinz und Bauer war.

Doch lasst Euch nicht die Freude rauben, steht auch am Rhein stets fest im Glauben, denn „Dat is prima viva Colonia!”

Apropos Köln. Sie wissen doch, warum in Köln der mächtigste von uns Hirten wohnt? Das ist nämlich so: Wenn zum Beispiel die Limburger Herde mit ihrem Hirten vorbeizieht, dann rufen die Menschen zur Begrüßung: „Hallo, Franz, einen schönen Tag noch! Wenn der Aachener Hirte vorbeikommt, dann heißts: „Na, Heinrich, wirklich schwere Zeiten: Kopf hoch - Ihr schafft das schon.” Wenn aber der Kölner Hirte vorbeigeht, hört man nur ein Flüstern: „AIlmächtiger! ”

Am Ruhrgebiet - zum Haareraufen - wär´ mir die Herde fast entlaufen. Sie wollte auch einmal in Maßen auf Bundesliga-Rasen grasen, obwohl beheiztes Gras im Magen die Tiere gar nicht gut vertragen.

Dadurch will man nur den Vereinen, die dicke Schuldentränen weinen, das immer teure Mähen sparen, damit sie noch in vielen Jahren sich weiter Brot und Spiele gönnen und teure Sklaven halten können.

So viel - ich will nicht weiter wettern - zu der Gesellschaft Fußball-Göttern. Ich wünsche stets der Mainzer Riege, dass hier das Leder siegreich fliege! Den Aachenern wünsch ich das Gleiche, damits zum Aufstieg auch mal reiche.

Als letzte Station vor Aachen habe ich die Schafe durch Kerpen getrieben. Kerpen hat ja einen bedeutenden Sohn, den jeder kennt. Richtig - Adolph Kolping, der Begründer katholischer Gesellenvereine. Geradezu tröstlich für uns heute, dass Kolping vor seiner Priesterweihe Schuhmacher war !!

Auch Schumi hat ein großes Herz und linderte manch Not und Schmerz mit dem, was er gewann zumal mit Bleifuß auf dem Gaspedal.

Als roter Blitz auf dicken Reifen kann er nach allen Kränzen greifen, weshalb um diesen, wie man sieht, oft ziemlich dicker Weihrauch zieht.

Wenn junge und auch alte Pärchen demnächst auch noch im Maialtärchen umrahmt von Kerzen mit Entzücken das süße Bild von Schumi schmücken, zieh mit den Schafen ich per pedes in Zukunft nur noch zu Mercedes.

So hab ich mich mit ganzer Kraft hierher nach Aachen durchgeschafft, der Stadt, die gerne ich beschriebe als Zentrum unsrer Nächstenliebe,

denn hier erwecken früh bis spät Hilfswerke Solidarität und mit viel Spendengeld

die große Not in aller Welt.

Besonders haben wir im Ohr Missio und auch Misereor. Und Kinder folgen jährlich gern zu Dreikönig Jesu Stern.

Froh komm ich darum zur Visite in die Stadt. - Europas Mitte liegt mit Karl, dem Reichsgestalter, hier im Dom von hohem Alter. Und der Karlspreis ging vom Dom zu Papst Karol schon nach Rom. Es scheint, die Stadt liebt diesen Namen „Karl”. Und das gefällt mir. Amen.

Ich seh, nachdem ihr mich gerichtet, stets heilsamem Humor verpflichtet und trag den Orden stolz nach Haus. Jedoch im Dom zieh ich ihn aus, sonst will das Kirchenvolk in Ehren als Predigt diesen Vortrag hören.

Bleibt alle froh und kerngesund! Habt stets ein Lachen auf dem Mund. Bleib´jeder mir ein treues Schaf. In diesem Sinn: „Oche Alaaf!”

Unsere Foto-Galerien von der AKV-Festsitzung 2005


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