Aachen: Im Nieselregen ein Schauer von Kamellen

Aachen : Im Nieselregen ein Schauer von Kamellen

Ob das Motto der Eilendorfer Kleebachschule einfach der Kostümierung angepasst war oder doch vorauseilende Ironie im Spiel war, ließ sich nicht ganz klären. „Auch unter Wasser, tief im Meer, ist Fastelovvend feiern nicht schwer”, prangte es in bunten Lettern auf dem Banner der als Ozeanbewohner verkleideten Schüler.

Und der den kompletten Kengerzoch begleitende Nieselregen passte nur allzu gut dazu.

Umso schöner, dass nur die wenigsten Nachwuchsnarren das Motto des Zuges „Henger Öcher Mure speäle Kenger Eckelure” allzu wörtlich nahmen. Denn anstatt hinter Aachens Mauern Verstecken zu spielen, zog es Kinder und Eltern massenhaft vor die Mauern - 4000 Zugteilnehmer wurden gezählt und 60.000 Zuschauer. 102 Fußgruppen und Reiterstaffeln, Kutschen und Kapellen, Traktoren und Tanztruppen wurden mit Alaafrufen begrüßt.

Wirklich lichte Stellen in der Menge ließen sich nur dort ausmachen, wo die Häuserzeilen den Wind zu fiesen Böen kanalisierten, etwa im oberen Bereich der Wilhelmstraße. Anderswo jedoch prasselte die Kamelle nicht aufs feuchte Pflaster, sondern wurde vom kunterbunten Publikum begeistert aus der Luft geschnappt.

Und auch politische Botschaften fanden so - karnevalistisch verpackt - ihre Adressaten. „Wir lassen uns nicht veräppeln”, stellten etwa Eltern und Angestellte der Kita St. Elisabeth, kostümiert als knallrote Fallobststücke, klar. Und prangerten an: „Im Kibiz (Kinderbildungsgesetz) ist der Wurm drin.”

Ganz in Richtung Lokalpolitik zielte dagegen die Maria-Montessori-Gesamtschule. „Henger Öcher Mure?”, fragten die Gesamtschüler rhetorisch und in Anlehnung an das Motto des Zuges. Um die bissige Antwort selbst zu geben: „Montessori-Schüler kicke lösstig nu at Johre dörch Jerösste.” Hintergrund sind die hässlichen Baugerüste, hinter denen das Schulgebäude seit Jahr und Tag verschwunden ist.

Das Gymnasium St. Ursula sorgte durch schiere Masse und 140 selbst geschneiderte Fliegenpilzkostüme für Aufsehen. Und die Vereine des Öcher Fastelovvend präsentierten beim Zug über Lothringerstraße, Normaluhr, Theater und Elisenbrunnen zum Marktplatz stolz ihre Kinder- und Jugendabteilungen.

Diese strahlten und grüßten mal von riesenhaften Vehikeln wie dem der Bonneplöcker van Gut Muffet herab. Und mal, wie es die kleinen Horbacher Freunde taten, wurde mit Segelschiff, Straßenbahngondel und Traktor samt Anhänger gleich in dreifacher Stärke angerückt.

Die Kenger der närrischen Flammengilde hatten es sich wiederum in einer überdimensionierten Narrenkappe auf Rädern bequem gemacht. Auf Rädern allein, nämlich auf Rhönrädern, begleitete der Allgemeine Turnverein Aachen (ATA) den Zug - ein artistischer Hingucker, der erst vom Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz gestoppt wurde.

Dort wurde der wie ein Weltmeister Klömpchere pfeffernde Märchenprinz Paul I. bereits von Sabine Verheyen und Wilm Lürken erwartet. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Sabine ist schon ganz traurig, dass der Zug gleich vorbei ist”, verkündete der AAK-Präsident und tröstete die Bürgermeisterin: „Na komm, dafür klappt es bald auch mit dem Europaparlament.”

Und schon am Montag, aber nur vielleicht, sogar mit einem trockenen Rosenmontagszug.

Kinderprinz aus den USA schaute vorbei

Der Aachener Kinderzug erhielt gübrigens Besuch aus den USA vom Milwaukee-Spielmannszug aus dem US-Bundesstaat Wisconsin.

Zu Gast war der Kinderprinz des Karnevalsvereins Hans I. (Rohne). Der 13-Jährige erlebte mit seinen Geschwistern Heidi (9) und Fritz (10) zum ersten Mal einen richtigen großen Karnevalsumzug.

Kontakt nach Aachen hatte Mutter Marie über die Internetseite http://www.karnevalinaachen.de geknüpft. Untergebracht sind die US-Jecken bei Freunden in Hasselt.

Der Milwaukee-Spielmannszug wurde 1957 von deutschen Aussiedlern gegründet.