Kreis Düren: Hospizbewegung Düren-Jülich setzt sich für ein würdiges Sterben ein

Kreis Düren: Hospizbewegung Düren-Jülich setzt sich für ein würdiges Sterben ein

Als Gerda Graf und Dr. Hans-Heinrich-Krause für den 27. Oktober 1993 zu einer ersten Informationsveranstaltung ins Haus der Stadt eingeladen hatten, hatten sie mit einer solchen Resonanz nicht gerechnet. Immerhin 73 Dürener waren damals gekommen, um sich über die mögliche Arbeit einer Hospizbewegung zu informieren.

Aus dem geplanten Informationsabend wurde gleich eine Gründungsversammlung, die Hospizbewegung Düren war geboren. 16 Jahre später folgte der Zusammenschluss mit der Hospizbewegung Jülich, und heute blicken die Verantwortlichen um die beiden Gründungs- und Vorstandsmitglieder Dr. Krause und Gerda Graf sowie den amtierenden Vorsitzenden Dr. Martin Franke auf 25 erfolgreiche Jahre, 540 Mitglieder und mehr als 100 ehrenamtliche Hospizbegleiter.

„Wir wollten damals“, sagt Gerda Graf, „das große Tabuthema Tod mehr in die Öffentlichkeit bringen. Und wir wollten uns für ein menschenwürdiges Sterben einsetzen.“ Gerda Graf hat damals als Pflegedienstleiterin am Krankenhaus Lendersdorf gearbeitet, Hans-Heinrich Krause war Chefarzt für Anästhesie am Krankenhaus Düren. „Mich hat es damals sehr berührt, wie in vielen Krankenhäusern gestorben wurde“, sagt Graf. „Es war keine Seltenheit, dass Sterbende ins Badezimmer abgeschoben wurden, damit sie die anderen Patienten in ihrem Zimmer nicht stören.“

Die Idee der Hospizbewegung steckte vor einem Vierteljahrhundert noch in den Kinderschuhen. „Die Resonanz auf unsere Idee, auch in Düren eine Hospizbewegung zu etablieren“, erinnert sich Dr. Krause, „war entsprechend gespalten. Politisch war das eine völlig neue Idee. Von vielen haben wir auch gehört, dass sie Sterbende schon immer begleitet hätten. Es war keine einfache Zeit.“ Schon ein Jahr nach ihrer Gründung konnte die Hospizbewegung ein Büro auf dem Gelände des Dürener Krankenhauses eröffnen, ebenfalls 1994 wurden zudem die ersten Ehrenamtlichen zu Hospizbegleitern ausgebildet.

Mittlerweile gibt es in Düren am Krankenhaus Lendersdorf ein stationäres Hospiz und an der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier eine spezielle ambulante Palliativ-Versorgung. Hans-Heinrich Krause: „Heute ist die Region Düren palliativ-medizinisch sehr gut aufgestellt. Wir können wirklich voller Stolz sagen, dass die Hospizbewegung kein bürokratischer Organismus ist, keine statische Einrichtung, sondern sich im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung befindet.“

Viele Projekte

Neben der ehrenamtlichen Hospizbegleitung, ergänzt Dr. Martin Franke, gäbe es zahlreiche Projekte, mit denen die Hospizbewegung Düren-Jülich bundesweit von sich reden gemacht habe. Franke nennt einige Beispiele: „In ‚Hospiz macht Schule‘ setzen sich Grundschüler kindgerecht mit den Themen Abschied, Tod und Sterben auseinander. Inzwischen gibt es auch ein Folgeprojekt für Jugendliche der achten und neunten Klassen.“ „Kommunikation mit Angehörigen“ sei der Name einer dreijährigen Studie, deren Träger die Hospizbewegung ist. Franke: „Konkrete Bedürfnisse von Angehörigen von Menschen mit geringer Lebenserwartung werden analysiert, um ihnen eine noch bessere Beratung zukommen lassen zu können.“

Neu ist auch der „Sorgekompass“, der regionale Hilfsangebote auf einer eigenen Internetplattform bündeln möchte. Grundsätzlich sind Franke und seine Mitstreiter davon überzeugt, dass die Hospizbewegung heute wichtiger ist denn je. „Mehr als 90 Prozent aller Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Aber die Familienstrukturen, um das leisten zu können, gibt es kaum noch. Die Gesellschaft verändert sich stark. Deswegen war das Thema Hospiz auch nie aktueller als heute.“