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Studenten planen um: Zwischen Abschluss und Job in Corona-Zeiten

Studenten planen um : Zwischen Abschluss und Job in Corona-Zeiten

Am 20. April soll das Sommersemester für die etwa 780.000 Studenten in NRW beginnen - mit Online-Unterricht. Doch nicht nur die Studierenden müssen sich umstellen. Die Corona-Krise wirbelt auch die Lebens- und Karriereplanung vieler Absolventen durcheinander.

Die Suche nach einem Job kurz nach seinem Studium hat sich Daniel Rublack anders vorgestellt. Nachdem er seinen Bachelor in Kommunikationswissenschaft in Münster abgeschlossen hatte, verschickte der 22-Jährige vor gut einem Monat die ersten Bewerbungen an Unternehmen. Doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. „Für jemanden, der einen Job sucht, ist das natürlich schwierig.“ Die Firmen wollten persönliche Vorstellungsgespräche verschieben oder pausieren nun erst mal, waren etwa die Antworten. „Man weiß aktuell nicht, ob es sich lohnt, sich zu bewerben“, sagt Rublack.

In Zeiten von Corona einen Job zu finden, Prüfungen abzulegen oder Literatur für die Abschlussarbeit in Bibliotheken zu recherchieren - für viele der etwa 780 000 Studierenden an den 70 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen hat sich durch die Pandemie nicht nur der Semesterstart, sondern auch die Lebens- und Karriereplanung verschoben. Betroffen davon sind auch junge Menschen wie Rublack, die ihren Abschluss gerade in der Tasche haben und sich nun auf dem Arbeitsmarkt umsehen müssen.

Wegen des Virus ist der Beginn der Vorlesungszeit auf den 20. April verschoben worden, zunächst soll es Online-Unterricht geben. Pauline Markus aus Köln bringt diese Umstellung aber nicht viel. Die BWL-Masterstudentin hätte im März mit einem Praktikum bei einem großen Autohersteller in Brasilien beginnen sollen, ihr Arbeitgeber hatte den Flug wegen der Coronavirus-Krise aber nicht mehr gebucht.

Nun sei es zu spät, sich für die Module im Sommersemester anzumelden. „Meine größte Sorge ist, dass ich bis Oktober jetzt nichts mache“, sagt die 22-Jährige. Sie hofft, dass ihr Praktikum am 1. Mai starten kann und die Einschränkungen bis dahin wieder gelockert werden.

Das Landes-ASten-Treffen (LAT), in dem sich die Studierendenvertreter der NRW-Hochschulen zusammengeschlossen haben, berichtet von einigen Anfragen zu Prüfungsproblemen, vor allem gegen Ende des vergangenen Monats. „Problematisch war, dass es nicht von Anfang an NRW-weite Regelungen gab. Dies hat an den Hochschulen zu Chaos, unterschiedlichen Regelungen und Verunsicherung geführt“, sagt LAT-Koordinatorin Katrin Lögering.

Manche Unis hätten zunächst Prüfungen mit vielen Teilnehmern trotz der Kontaktverbote durchziehen wollen. Mittlerweile sei alles einheitlich abgesagt.

Nach Angaben des NRW-Wissenschaftsministeriums ist derzeit noch nicht klar absehbar, wann die Hochschulen den regulären Präsenzbetrieb wieder aufnehmen können. Daher seien „flexible und pragmatische Lösungen“ gefragt. Ein Vorlesungsbeginn über digitale Formate gebe den Studierenden und den Hochschulen Planungssicherheit für die kommenden Monate.

Bei den Studienberatungen der Hochschulen häufen sich die Anfragen. „Die Infoline ist im Dauereinsatz“, teilt eine Sprecherin der Universität Duisburg-Essen mit. Es gehe etwa um Themen wie BAföG, Prüfungstermine oder Aufenthaltsgenehmigungen.

Der Studierendenausschuss (AStA) in Düsseldorf beschäftigt sich vermehrt mit besorgten Rückmeldungen zu Abschlussarbeiten. „Wir haben einige Nachfragen bekommen, ob man im Sommersemester seinen Abschluss machen kann“, sagt eine Vorstandssprecherin. Diese Frage stellt sich auch eine Lehramtsstudentin aus Köln, die für ihre Masterarbeit 30 Unterrichtsstunden beobachten muss. Die Schule hat aber noch geschlossen. Anfang Juli sei Abgabefrist: „Meine Masterarbeit ist ein bisschen gefährdet.“

Mit einem anderen Problem hat Isabel Schmiedel zu kämpfen. Die 24-Jährige hat in Münster ihren Bachelor in Mediendesign abgeschlossen und möchte nun in Bochum ihren Master machen. Momentan sei es schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Die Schlüsselübergabe und Vertragsunterzeichnung hatte sie in einem Fall wegen Corona abgesagt. Zugleich hätten sich auch die Immatrikulationsfristen verschoben. „Ich war da positiv überrascht“, sagt sie rückblickend. „Ich glaube, dass die Unis superverantwortungsvoll handeln.“

(dpa)