1. Hochschule

Aachen: Welche Rolle spielen Technik und Kultur in der globalisierten Welt?

Aachen : Welche Rolle spielen Technik und Kultur in der globalisierten Welt?

Vor dem Hintergrund der eskalierenden Irak-Krise hat jenes Thema, das am 1. und 2. Oktober eine Reihe hochkarätiger Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft im Rahmen eines internationalen Kolloquiums an der RWTH Aachen diskutiert, eine ungeahnte Aktualität und Brisanz bekommen.

Es geht um „Technik Welt Kultur - Technische Zivilisation und kulturelle Identitäten im Zeitalter der Globalisierung”.

Während sich die Welt mehr und mehr zum „globalen Dorf” entwickelt, droht gleichzeitig ein „Krieg der Kulturen” - Phänomene, die sich gegenseitig bedingen, meint der Historiker Prof. Dr. Max Kerner. Im AZ-Gespräch erläutert er das Thema des Kolloquiums.

Max Kerner ist der Sprecher des interdisziplinären Forums „Technik und Gesellschaft” an der RWTH Aachen, das die Veranstaltung organisiert hat. Dem Forum, einem Zusammenschluss fachübergreifend denkender und handelnder Hochschullehrer der RWTH, gehören 52 Institute und Lehrstühle der Hochschule an.

Es sind geradezu die Überlebensfragen unserer Zeit, die sich hinter dem Thema des Kolloquiums verbergen, meint Prof. Kerner. „Im globalen Dorf leben wir unmittelbar Tür an Tür mit Afrikanern und Asiaten, Hindus und Moslems, Menschen der unterschiedlichsten Traditionen und Orientierungen.”

Entscheidender Motor dieser wissenschaftsgestützten Welt ist die Technik in ihrer „Janusköpfigkeit”: Auf der einen Seite fördert sie eine „ungeheure Nivellierung” etwa im Bereich der Produktion oder auch der Entwicklung von intellektuellen Moden, auf der anderen Seite eine Vielfalt von „Regionalismen”, eine „relative Beliebigkeit von Anschauungen und Bindungen”.

Technik als Segen und Risiko zugleich: Stichworte wie steigende Lebenserwartung auf der einen, Stammzellenforschung und Ökologie auf der anderen umschreiben beispielhaft die Bandbreite der Problemlage.

Schließlich „Kultur”: Von sieben Weltkulturen, so Kerner, treten zwei mit Universalanspruch auf: die westliche und die islamische. Während die eine sich Demokratie und Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hat, wird sie von der anderen als verderbt betrachtet: sexuell beliebig, alkoholisiert - zum Beispiel.

Technische Segnungen des Westens, durchaus heiß ersehnt, werden vor allem in islamistischen Ländern als „List” einer ideologischen Einflußnahme beargwöhnt - ein Beispiel, wie Technikaneignung und kulturelle Identität in Konflikt geraten, Modernisierungen als Bedrohung angesehen werden können.

Die Fragen des internationalen Kolloquiums lauten nun etwa: Wie bedingen sich Technik und Identität? Welche kulturellen Faktoren haben Einfluss auf Entwicklung, Vermarktung, Produktion und Einsatz von Technik? Führen weltweit ähnliche technische Systeme und Produkte auch zu kultureller Angleichung?

Die Referenten widmen sich mit ihren Beiträgen diesen und ähnlichen Themen.

So spricht der ehemalige BMW-Chef Joachim Milberg über „Unternehmenskultur und Globalisierung”.

Eine der zentralen Fragestellungen formuliert Prof. Dr. Franz Josef Radermacher, unter anderem Mitglied im „Information Society Forum” der europäischen Kommission: „Mit und Gegeneinander der Kulturen in der globalen Informationsgesellschaft”.

Ziel der Tagung ist es, „durch einen fach- und kulturübergreifenden Diskurs einen neuen, wissenschaftlich fundierten Zugang zu eröffnen und dazu beizutragen, Leitlinien für einen selbstkritischen und friedlichen Dialog der Kulturen zu formulieren”.