Aachen: Studenten: Thermenreste zurück zur Mayerschen

Aachen: Studenten: Thermenreste zurück zur Mayerschen

Es sei nur ein kleiner Preis, betonte Prof. Bernhard Steinauer, wurde aber bei der Verleihung deutlich: „Es war eine der größten Thermen nördlich der Alpen. Ihre Existenz war bekannt, trotzdem hat man diesen Frevel begangen. So etwas macht man im 21. Jahrhundert schlicht und einfach nicht mehr.”

Auch heute noch, fast zehn Jahre danach, kann sich der Inhaber des Lehrstuhls für Straßenwesen, Erd- und Tunnelbau in Rage reden, dass 2002 die Fundamente der römischen Bücheltherme in drei große Blöcke zersägt und abtransportiert wurden. Einer davon, das Mittelstück, ist inzwischen zurückgekehrt und im Eingangsbereich der Mayerschen Buchhandlung ausgestellt. Die beiden anderen rotten immer noch auf dem städtischen Betriebshof in Rothe Erde vor sich hin, „wohlbehütet unter einer Plane”, erläutert Rita Klösges vom Presseamt.

Damit sich das ändert, hatte der Arbeitskreis Karolinger der RWTH Aachen, dem Prof. Steinauer angehört, und der TH-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur (Prof. Frank Lohrberg) einen studentischen Wettbewerb in Gang gesetzt, wie man die Reste wieder einer sinnvollen Nutzung zuführen könne. Die Jury sei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen, teilte Prof. Steinauer mit und habe Christine Böse mit großer Mehrheit den ersten Preis zuerkannt. Die Architekturstudentin im achten Semester will die beiden Blöcke, drei mal drei Meter groß und zwei Meter hoch, praktisch auf der anderen Straßenseite der Mayerschen anordnen.

„Die Grundidee war die Wiedervereinigung der Steine”, sagte die 24-Jährige den „Nachrichten”. Der Block im Eingangsbereich falle nämlich kaum ins Auge: „Man läuft fast daran vorbei.” Durch ein zusätzliches Wasserbecken mit Sitzrand wolle sie die Dimension der Therme ebenfalls wahrnehmbar machen. Prof. Steinauer formuliert es direkter: „Wir holen zur Gegenaktion aus, indem wir die Blöcke direkt vor die Türe setzen. Damit führen wir der Stadt das schlechte Gewissen direkt vor Augen.” Ein Oberbürgermeister hätte den Abtransport keinesfalls zulassen dürfen: „Anderswo wird ein Museum drumherum gebaut.”

Zugleich sei das ein Aufruf, sich mit der Rolle, die Aachen in der Römerzeit gespielt habe, zu beschäftigen. Es habe sich nämlich keineswegs um ein kleines Nest gehandelt, wie man zeitweise geglaubt habe: „So kann der Schaden, der völlig unnötigerweise angerichtet worden ist, wenigstens etwas geheilt werden.”

Diskussionsgrundlage

Der zweite Preis sieht eine Anordnung der Blöcke auf dem Elisenbrunnen vor, anstelle des Busunterstands des Architekten Peter Eisenman. Der dritte sieht einen Standort im Elisengarten vor, nahe des Bankgebäudes, eingebettet in ein halbrundes Ensemble. Alle Entwürfe sollen den Stadt übergeben werden. Steinauer: „Als Diskussionsgrundlage. Eine endgültige Lösung kann eine Studentenarbeit nicht liefern.”

Mehr von Aachener Nachrichten