Aachen: Streit um Preiserhöhung bringt RWTH-Semesterticket in Gefahr

Aachen: Streit um Preiserhöhung bringt RWTH-Semesterticket in Gefahr

Aachens Studierende fahren schwere Geschütze gegen den Aachener Verkehrsverbund (AVV) und die Bahn auf. Einstimmig hat sich das Studierendenparlament am Mittwoch gegen eine geplante Preiserhöhung ausgesprochen und damit die Fortführung des sogenannten Semestertickets in Frage gestellt.

Die Kosten für das Semesterticket sollen von bislang 89,50 auf 101 Euro ab nächstem Sommersemester steigen, hinzu käme der Betrag für das NRW-Ticket.

Sollte es bei der harten Haltung bleiben, könnte das ohnehin erst nach schwerem Ringen eingeführte Semesterticket schon im nächsten Sommer wieder Vergangenheit sein. Die RWTH wäre dann eine der wenigen Hochschulen, an der es das vergünstigte Ticket für Busse und Bahnen in ganz NRW nicht mehr geben würde. Doch daran wollen weder AStA noch AVV glauben. „Das ist Verhandlungspoker”, meinte AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich am Donnerstag, der über Stil und Aussage der Studenten jedoch schwer verstimmt ist.

Deren Vertreter sprachen am Donnerstag von einem „unverschämten Angebot”, bei dem die Studenten „über den Tisch gezogen” würden. „Hier wird versucht, die Verkehrsverbünde auf dem Rücken der Studierenden zu sanieren”, meint Studentenvertreter Patrick Schunn, der die Verhandlungen zuletzt mitführte. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen”, sagt AStA-Vorsitzender Bela Brenger, der AVV und Bahn Sturheit vorwirft. Es sei dreist, jetzt auch noch eine nachträgliche Preiserhöhung zu veranschlagen.

1,68 Euro monatlich mehr

Die Materie ist komplex, die Berechnung kompliziert - strittig ist insbesondere der AVV-Anteil, über den gegenwärtig verhandelt wird und der von 61,49 auf 71,54 Euro angehoben werden soll - dies allerdings über einen Zeitraum von drei Jahren. „Das ist eine Erhöhung von 1,68 Euro pro Monat”, sagt Sistenich.

Dafür können die Studenten dann sechs Monate lang im AVV-Gebiet unterwegs sein. Künftig dürften sie sogar noch bis zu drei Kinder kostenlos mitnehmen. Keine andere Kundengruppe könne Busse und Bahnen günstiger benutzen, betont Sistenich. Das jüngst eingeführte Sozialticket für Hartz-IV-Empfänger kostet 27 Euro monatlich, die Studenten zahlen für die gleiche Leistung knapp unter zwölf Euro.

„Da fehlt das Augenmaß”, wirft Sistenich den Studenten vor. Die argumentieren ihrerseits, dass die gestiegenen Studierendenzahlen in den letzten Jahren auch zu deutlich Mehreinnahmen bei den Verkehrsunternehmen geführt hätten. Dies sei in die Kalkulationen gar nicht eingeflossen. Ohnehin haben sie das Gefühl, dass AVV und Bahn „ihre Monopolstellung” missbrauchen.

Zu alledem lasse auch das Serviceangebot von AVV und DB zu wünschen übrig. „Überfüllte Busse, erhebliche Verspätungen und Zugausfälle lassen eine Preissteigerung mehr als kritisch erscheinen”, argumentieren die Studentenvertreter. AStA-Vorsitzender Brenger hofft jetzt, dass der AVV sein Angebot überarbeitet. „Mal abwarten, ob er wirklich seine Kunden vergraulen will.”

Sistenich erklärt hingegen, man habe „in schwierigen Verhandlungen mehrfach nachgebessert”, jetzt sei eine Grenze erreicht, an der es nicht mehr weitergehe. Erst am Donnerstag musste er im Mobilitätsausschuss Fahrpreiserhöhungen für andere Kundengruppen vertreten, die weit über den studentischen Preisen liegen.

Wie es im Poker ums Semesterticket weitergeht, ist noch nicht abzusehen. Für das Votum des Studentenparlaments hat Sistenich wenig Verständnis. Er ist überzeugt, dass es bei einer Urabstimmung unter den RWTH-Studenten ein deutliches Votum für das Semesterticket geben würde.

Derweil sind die Vertragsverhandlungen an der Fachhochschule Aachen weiter: Dort hätten die FH-Studenten laut Sistenich bereits ein positives Votum zu den neuen Preisen abgegeben.