Berlin/Budapest: Schavan wirbt für breiteren Horizont im Bachelor-Studium

Berlin/Budapest: Schavan wirbt für breiteren Horizont im Bachelor-Studium

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) plädiert angesichts der Probleme bei den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen für ein breiteres Themenspektrum im Studium.

15 Prozent der Inhalte sollten als „Studium Generale” angelegt sein, sagte Schavan am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Grundgedanke ist dabei, dass sich Studenten über ihr Spezialgebiet hinaus auch anderen Fachrichtungen widmen. Schavan sagte, dies sei bei der Bologna-Reform vorgesehen, in vielen Hochschulen aber noch nicht verwirklicht.

In Europa läuft seit Jahren eine große Hochschulreform, um Studienabschlüsse zu vereinheitlichen. 1999 einigten sich die europäischen Bildungsminister im norditalienischen Bologna auf dieses Vorhaben - deshalb der Name Bologna-Prozess. Bis 2010 sollte dabei ein einheitlicher Hochschulraum entstehen, mit einem System aus Bachelor- und Masterabschlüssen. Die Bildungsminister aus den 46 beteiligten europäischen Staaten beraten am Donnerstag und Freitag über die bisherige Umsetzung und ziehen Bilanz - zunächst in Budapest, am Freitag gehen die Beratungen in Wien weiter.

Schavan räumte Defizite bei der Umsetzung der Reform ein. Es gebe einen zu hohen Umfang an Studieninhalten und es herrsche die Vorstellung, alles müsse geprüft werden. Auch bei der Anerkennung von Studienleistungen an unterschiedlichen Universitäten gebe es noch Probleme. Zu viel Spezialisierung erschwere die Mobilität der Studenten.

Die Kritik an den Arbeitsbedingungen der neuen Bachelor-Studiengänge bezeichnete Schavan dagegen als „überspitzt”. Viele Studenten seien zeitlich nicht überlastet, auch seien die Betreuungsverhältnisse besser als früher. Drei Viertel der Studenten hielten die neue Studienstruktur für gut. „Die Masse hat studiert, während die Proteste stattgefunden haben”, sagte Schavan.

Im vergangenen Jahr waren Zehntausende Studenten in Deutschland auf die Straße gegangen, um gegen die Studienbedingungen im neuen System zu protestieren. Sie beklagten unter anderem zu starre Strukturen und eine zu hohe Arbeitsbelastung.

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