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Aachen: Klinikum lädt zum „Tag der Gesundheitsforschung”

Aachen : Klinikum lädt zum „Tag der Gesundheitsforschung”

Wenn unser Herz aus dem Takt gerät, herrscht Lebensgefahr: Nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung erleiden jährlich rund 280.000 Menschen einen Herzinfarkt.

Die Tendenz ist steigend, die Patienten werden jünger, Risikofaktoren wie das Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und ein erhöhter Blutfettwert sind bekannt, werden aber vielfach hartnäckig ignoriert:

Unter dem Motto „Herz - Motor des Lebens” beteiligt sich das Universitätsklinikum Aachen mit zwei Forum-Veranstaltungen und zahlreichen anderen Informationsangeboten am Sonntag, 25. Februar, am bundesweiten „Tag der Gesundheitsforschung”. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins.

Je älter die Menschen werden, um so mehr wird sich die Zahl von Erkrankungen aus diesem Bereich erhöhen. Neben faszinierenden Einblicken in die Arbeit der Mediziner stehen im Zentrum des Programms im Klinikum zwei Veranstaltungen: Ab 11 Uhr heißt es im Großen Hörsaal 4 (GH 4) „Behandlung des Herzinfarkts in Aachen” mit einem Podium aus kompetenten Teilnehmern von der Notärztin bis zum Kardiologen.

Um 14 Uhr geht es gleichfalls im Großen Hörsaal 4 weiter mit praktischen Beispielen unter dem Motto „Wie halte ich mein Herz fit?”. Sportmediziner geben guten Rat zur Fitness, es geht um Ernährung und Alarmsignale.

Kranke Nieren

Noch immer werden Risiken für das Herz nicht genügend wahrgenommen, wie Professor Dr. Malte Kelm, Direktor der Medizinischen Klinik I, Klinikum Aachen, betont. „Was viele nicht wissen: Die Niereninsuffizienz kommt hinzu. Störungen beim Nierenstoffwechsel schädigen die Gefäße.”

Besonders bedenklich ist jedoch die Tatsache, dass in Deutschland die Spanne zwischen dem Auftreten eines Infarktes und der Behandlung in einem fachlich gut ausgestatteten Zentrum noch immer rund dreieinhalb Stunden beträgt - und das ist zu lang.

Der Infarktverbund Aachen arbeitet in Kooperation mit der Feuerwehr und vier Krankenhäusern daran, hier auf kurzen Wegen optimale Hilfe zu liefern. Nicht selten ist selbst für den Betroffenen nicht klar, wie man im Akutfall handeln soll.

Viel zu spät entschließt man sich häufig den Notarzt zu alarmieren. Symptome, die auf den Infarkt hinweisen, werden falsch gedeutet. Gerade hier will der Tag der Gesundheitsforschung für Aufklärung sorgen. „Betroffene nehmen den Schmerz oft ganz anders wahr”, weiß Kelm. „So gibt es etwa den stummen Infarkt beim Diabetiker, dessen Schmerzempfinden durch Schädigung der Nervenzellen vermindert ist.”

Problematisch ist zudem der Infarkt bei der Frau in der fünften oder sechsten Lebensdekade. „Frauen haben in vielen Fällen eine verminderte Schmerzwahrnehmung”, bestätigt Kelm. Das alarmierende Gefühl einer Störung wird mit der fast schamhaften Beschreibung „mir ist so komisch” charakterisiert. Aber genau das ist für uns ein wichtiger Hinweis”, so der Kardiologe. „Das Herz-Zeit-Volumen wird vermindert, es kommt zu Luftknappheit.”

Was ihm gleichfalls Sorgen bereitet: „Ältere Leute, die sehr deutliche Vorboten eines Infarktes haben, melden sich nicht.”

Dabei gibt es schon bei der notärztlichen Versorgung wichtige Hilfen für den Patienten. Seit drei Jahren bietet das „12-Kanal-EKG”, das telemetrisch per Fax zur Intensivstation übermittelt wird, einen wichtigen und schnellen Weg der Information und dient einer raschen Behandlung.

Beim Tag der Gesundheitsforschung gibt es daher neben den Einblicken ins schlagende Herz und den Therapiemöglichkeiten bei angeborenen Herzfehlern auch viele Informationen zu Operationen des kranken Herzens, wie sie das Team um Professor Dr. Rüdiger Autschbach, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, täglich im Klinikum vornimmt.

„Gerade bei der bekannten Bypassoperation hat sich in letzter Zeit eine Menge getan”, so Autschbach. „Wir sind zum Beispiel zur Überzeugung gekommen, dass arterielles Material wesentlich länger hält als Material aus den Venen.” Auch bei anderen Eingriffen am Herzen gibt es Veränderungen. So ist es möglich, selbst bei Operationen am schlagenden Herzen die „Mini-HerzLungenmaschine” durch die große Herz-Lungen-Maschine zu ersetzen, die noch immer ein Fremdkörpergefühl für das Blut auslöst.

Selbst die Kombination von Bypass und „Stent” (ein feines Metallgeflecht, das an der Engstelle die Gefäßwand stützt und die Arterie offen hält) im Rahmen eines einzigen Eingriffs wird intensiv untersucht. Und die Herzklappe? Hier gibt es seit Jahren die Diskussion, ob die künstliche oder die biologische (Schweine-)Klappe besser und stabiler ist.

Helfende Technik

Das Thema der Herztransplantation bleibt in Aachen brisant. „In Kooperation mit der Universitätsklinik Maastricht bauen wir ein Transplantationsprogramm aufÓ, so Autschbach.” Doch das Spenderaufkommen ist ein Problem. „Die das Herz unterstützenden Techniken, die Möglichkeiten einer mechanischen Hilfe für das Herz, die wir implantieren können, sind als Therapieoption für uns daher besonders wichtig.”

Und wie kann man dem Infarkt entgegenwirken? Auch das soll beim Tag der Gesundheitsforschung - speziell beim Forum „Wie halte ich mein Herz fit” (14 Uhr) - thematisiert werden. Hier gibt es Tipps zur Ernährung und Hinweise zum optimalen Herzsport. Faszinierend ist der Einblick in die Herz-Lungen-Maschine, und bei einer Gruppenführung darf man sich in Regionen des Klinikums umsehen, die sonst dem Publikum verschlossen sind.

Kinder-Malwettbewerb

Selbst die kleinen Leute haben beim Tag der Gesundheitsforschung die Möglichkeit, mitzumachen: „Male mir ein Herz”, lautet der Titel beim Malwettbewerb, in der „Teddybärenklinik” kann das Kuscheltier abgehorcht werden, und im Film „Yannick wird am Herzen operiert” erlebt man, wie einem Kind in der Klinik geholfen wird. Blutdruck- und Cholesterinmessung bei jedem, der das möchte, können wichtige Hinweise auf Risiken liefern. Vermittelt werden zudem wichtige erste Maßnahmen, die es auch dem Laien ermöglichen, im Akutfall zu helfen.

Dies und manches mehr kann man am Tag der Gesundheitsforschung am 25. Februar im Klinikum Aachen erfahren.