Aachen/Vaals: In Vaals wächst der Widerstand gegen Studenten

Aachen/Vaals: In Vaals wächst der Widerstand gegen Studenten

Die Pläne, in Vaals wieder eine größere Anzahl von deutschen Studenten anzusiedeln, finden bislang wenig Resonanz und stoßen zunehmend auf Widerstand.

Vor allem in den 1970er Jahren war die niederländische Nachbarkommune ein beliebter Wohnort für bis zu 1000 angehende Akademiker aus Aachen. An diese alten Zeiten will die Gemeinde mit Bürgermeister Reg van Loo an der Spitze jetzt wieder anknüpfen. Erst vor wenigen Wochen hat er mit seinem Aachener Amtskollegen Marcel Philipp eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, die eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehrsplanung, öffentlicher Personennahverkehr und Stadtplanung vorsieht.

Zentraler Baustein dieser Zusammenarbeit ist das Thema Wohnraum. Die Aachener Hochschulen erwarten angesichts der anstehenden Abitur-Doppeljahrgänge und der abgeschafften Wehrpflicht Tausende zusätzlicher Studenten, in den ehrgeizigen Campus-Projekten sollen Tausende zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Deshalb braucht Aachen auch Wohnraum außerhalb der Stadtgrenzen. Und Vaals wäre ideal, nur wenige Kilometer vom Uniklinikum und den Campus-Flächen entfernt. Konkret benannte Projekte im „Letter of intent” waren etwa die Zwischenvermietung vorübergehend leerstehender Häuser im Ortskern oder der Bau von 240 Studentenapartments im Neubaugebiet an der Beemderlaan (Von Clermont Park).

Doch das Vorhaben stieß schon bei Opposition im 15-köpfigen Gemeinderat auf wenig Wohlwollen. Die Christdemokraten (CDA) äußerten etwa die Befürchtung, dass eine Enklave für deutsche Studenten entstehe. Man solle in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs auf die Ansiedlung von Menschen setzen, die sich in die Vaalser Gemeinschaft integrierten.

Dann wurde auch noch bekannt, dass von 40 leerstehenden Häusern rund um den Koningin Julianaplein innerhalb von neun Monaten erst zwei an Studenten vermietet worden sind, obwohl sie nur 300 Euro pro Monat kosten und von Dreier-Wohngemeinschaften genutzt werden können. Zu allem Überfluss sind die beiden Häuser auch noch an Studenten aus Maastricht vermietet worden, nicht aus Aachen.

Und jetzt gibt es auch noch eine Unterschriftensammlung der - vornehmlich älteren - Bewohner des Von Clermont Parks, der Stelle, wo ein Investor aus Süddeutschland die 240 Studentenapartments samt multikulturellem Zentrum mit kleinem Kino und Bistro errichten will. „Die Studenten wollen nachts feiern, wir wollen schlafen”, ist eine der typischen Antworten, die von den Anwohnern der Siedlung gegeben wird. Viele der Mehrfamilienhäuser sind nämlich eigens für Ältere errichtet worden, manche sehen sogar ausdrücklich betreutes Wohnen vor.

Ursprünglich war geplant, an dieser Stelle weitere Seniorenwohnungen zu errichten. Dies würde den meisten Bewohnern auch entgegenkommen. Sie fürchten, dass ein großer Studentenkomplex zu viel Unruhe in ihre beschauliche Siedlung bringen würde. Bei der Gemeinde verweist man darauf, dass es sich um vorläufige Planungen handelt. Bürgermeister van Loo hat Kontakt mit den Beschwerdeführern aufgenommen und versichert, dass man die Bedenken ernst nehmen werde.

Sprecherin Hilda Keulders: „Im Moment sind wir noch mit einem Partner im Gespräch. Wir können erst konkret informieren, wenn die Unterschriften geleistet sind.” Zugesichert wird, dass die Belange der schon dort Wohnenden berücksichtigt werden, dazu sollen bald weitere Gespräche mit ihrer Interessenvertretung und der Wohnungsstiftung Vaals stattfinden.

Bürgermeister van Loo betonte gegenüber den „Nachrichten”, dass Gespräche mit mehreren Investoren über verschiedene Projekte geführt würden. Diese seien zudem mit den Fraktionen im Gemeinderat abgestimmt, der auch in Bezug auf die Bauvorhaben das letzte Wort haben werde.