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Bonn: Hochschulseelsorger warnen vor negativen Folgen von Bologna

Bonn : Hochschulseelsorger warnen vor negativen Folgen von Bologna

Die katholischen Hochschulseelsorger in Deutschland warnen vor negativen Folgen der Bologna-Reform für die Studenten.

Die stärker strukturierten Studiengänge ermöglichten eine Nebenerwerbstätigkeit zur Finanzierung des Studiums nur in deutlich geringerem Maß als früher, sagte der Geschäftsführer des Forums Hochschule und Kirche, Lukas Rölli, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Dies könne insbesondere junge Menschen aus niedrigen und mittleren Einkommensschichten davon abschrecken, ein Studium aufzunehmen. Deshalb müssten die Einkommensgrenzen zum Erhalt von BAföG deutlich angehoben werden.

Mit dem Bologna-Prozess sollen einheitliche Studienstrukturen in Europa entstehen. Bis zum Jahr 2010 werden Bachelor- und darauf aufbauende Master-Studiengänge flächendeckend eingeführt. In dem Forum Hochschule und Kirche sind die katholischen Hochschulseelsorger und ihre rund 125 Gemeinden, mehrere Begabtenförderungswerke und etwa 100 Wohnheime für Studierende zusammengeschlossen.

Notwendig sei eine kontinuierlich an der Preisentwicklung orientierte Erhöhung des BAföG, so Rölli. Zudem müsse die sozial abschreckende Wirkung der Studiengebühren vermindert werden. Dazu seien nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens die Darlehen für BAföG und Studiengebühren bundesweit auf 10.000 Euro zu deckeln. Die Hochschulen und Studentenwerke sollten die Beratung für Studierende ausbauen, da angesichts des Bologna-Prozesses der Informations- und Beratungsbedarf stark gestiegen sei.

Nach den Worten Röllis darf die zu eng auf Arbeitsmarktbedürfnisse ausgerichtete Umsetzung des Bologna-Prozesses nicht dazu führen, dass Fächer mit ungünstigen ökonomischen „Verwertungsmöglichkeiten” benachteiligt werden. Um Bildung in einem umfassenden Sinn zu fördern, müssten Kultur- und Sozialwissenschaften verstärkt in andere Disziplinen integriert werden. Zudem sei bei der Gestaltung der Studiengänge auf die Wahrung von Freiräumen für die Gewinnung von Lebenserfahrung zu achten. Die Förderung sozialer, kultureller, politischer, sportlicher und religiöser Aktivitäten im Umfeld der Hochschulen dürfe unter dem wachsenden Kostendruck nicht abgebaut werden.

Rölli begrüßte grundsätzlich die mit der Bologna-Reform beabsichtigte Internationalisierung der deutschen Hochschulen und Studiengänge. Dies könne das Verständnis für andere Kulturen, Religionen und die globale Verantwortung von deutschen und ausländischen Studierenden fördern. Allerdings müssten die Fachbereiche eine liberale Anerkennungspraxis für Studienleistungen im Ausland entwickeln, um die Mobilität von Studierenden weiter zu fördern.