Paderborn/Kleve: Geschenke locken Studenten ins Hinterland

Paderborn/Kleve: Geschenke locken Studenten ins Hinterland

Mit wertvollen Gaben für Erstsemester wollen jetzt erste Hochschulen in Nordrhein-Westfalen Studenten ins Hinterland locken. Studienanfänger der Universität Paderborn bekommen vom kommenden Semester an ein sogenanntes Netbook geschenkt.

Die abgespeckten tragbaren Computer werden von Sponsoren bezahlt, sagte Universitäts-Präsident Nikolaus Risch am Dienstag. Eine ähnliche Aktion plant die neue Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp- Lintfort: Erstsemester erhalten dort aus Sponsorengeldern einen Laptop und ein Fahrrad - aber nur als Leihgabe. Hochschulen reagieren laut Experten zunehmend mit Sonderaktionen auf die Abwanderung junger Menschen in Großstädte.

Rund eine Million Euro wird die Netbook-Aktion in Paderborn kosten. „Wir wollen junge Leute gewinnen - nicht nur aus der Region. Dafür müssen wir etwas tun,” sagte Risch. Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss der Universität (AStA) sieht das Vorhaben jedoch kritisch. Die Netbooks seien für Erstsemester zwar vorteilhaft und würden sie finanziell entlasten, „allerdings schauen ältere Semester in die Röhre. Man hätte das Geld vielleicht auch sinnvoller ausgeben können,” gab der hochschulpolitische Sprecher des AStA, Sebastian Rose, zu bedenken. Für Risch ist deshalb auch klar, dass die Aktion kein Allheilmittel ist: „Andere Hochschulen müssen sich vielleicht anders aufstellen.”

Auch Experten sehen in dem Bereitstellen von hochwertigen Werbeprodukten durch die Hochschulen noch keinen allgemeinen Trend. „Paderborn sticht im Moment noch aus der Masse heraus,” sagte ein Sprecher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover. Christian Berthold vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh erläuterte, dass der Handlungsdruck im Moment noch auf den Hochschulen im Osten liege. Das „Anpreisen der Ware” werde in Zukunft aufgrund des demographischen Wandels und der Abwanderung junger Leute in die Großstädte jedoch auch im Westen eine größere Rolle spielen.

Im Osten wird schon heute versucht, Erstsemester mit finanziellen Vorteilen zu locken. Studienanfänger an der Fachhochschule Eberswalde (Brandenburg) erhalten zum Beispiel ein Begrüßungsgeld von 80 Euro. Außerdem müssen in keinem der neuen Bundesländer Studiengebühren für das Erststudium bezahlt werden.