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Aachen: Ersti-Rallye: Am RTL-Wagen hörte der Spaß auf

Aachen : Ersti-Rallye: Am RTL-Wagen hörte der Spaß auf

Nicht allen Neu-Studenten ist offenbar das Bier bekommen, das bei den «Ersti-Rallyes» reichlich floss. Rund 200 der angehenden Akademiker hielten es am Donnerstag für nötig, gegen 15.40 Uhr zum Willy-Brandt-Platz zu ziehen und dort lautstark Stimmung gegen etwa 250 Menschen zu machen, die sich zum Casting für die RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» versammelt hatten.

Nach Polizeiangaben kam es zu heftigen „verbalen Provokationen”, wie ein Sprecher am Abend mitteilte. Die Polizei zog mit starken Kräften auf und wirkte auf die augenscheinlich alkoholisierten Uni-Neulinge ein, die kräftig gegen Dieter-Bohlen-Fans Stimmung machten. Sie erteilte den Erstsemester-Studenten Platzverweise und konnte die Gemüter schließlich beruhigen, zu Handgreiflichkieten und Gewalt kam es nicht.

Pech hatte dann aber doch noch ein 21-Jähriger, der die Tumulte nutzen wollte, um einen Streifenwagen mit einem Sticker zu bekleben. Als er sich ertappt fühlte, wollte er flüchten, stolperte nach Polizeiangaben jedoch über ein Schild und prallte gegen eine Schaufensterscheibe. Mit einer Platzwunde musste er ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Zustände am Willy-Brandt-Platz und die daraus folgenden Beeinträchtigungen in den umliegenden Einkaufszonen gehörten zu den Schattenseiten eines ansonsten überwiegend fröhlichen Tages. Etliche der rund 7500 Erstsemesterstudenten, die im Wintersemester ihr Studium an der RWTH beginnen, waren gestern in Gruppen in der Stadt unterwegs, um bei den „Ersti-Rallyes” Leute und Uni-Umgebung kennenzulernen. Dabei mussten sie an vielen Stationen, die rund um Uni und Markt aufgebaut waren, unterschiedliche Aufgaben bewältigen.

Auch die Tutoren Helena Heuser und Niklas Van Teefelen versammelten ihre 15 angehenden Maschinenbauer, um sie an die sprichwörtliche Hand zu nehmen. „Die Leute sollen sich kennenlernen”, so Van Teefelen. Denn die jungen Studenten kommen aus der gesamten Republik, um an der RWTH zu studieren.

„Durch die vielen Angebote für die Erstsemester ist mir der Einstieg in Aachen unheimlich leicht gefallen”, sagt Van Teefelen, der aus Essen stammt. „Deshalb bin ich auch Tutor geworden. Ich bin jetzt im dritten Semester und weiß noch, welche Probleme man als Ersti hat.” Der gute Ruf der RWTH lockte Julian Knöll von Neustadt an der Weinstraße weg nach Aachen. „Das gefällt mir hier richtig gut”, sagt der 20-Jährige. „Ich habe schon ziemlich viele Leute kennengelernt.” Zwar ist der junge Pfälzer „nicht so der Biertrinker”, doch bei der Rallye stieß auch er mit seinen Kommilitonen an.

Traditionell ist die Gruppe der Maschinenbauer an der RWTH besonders groß. Gleich nach dem Start sorgten sie bei der Rallye für tolle Stimmung. Gegen Mittag hatten die „Erstis” von Niklas Van Teefelen und Helena Heuser schon einige Stationen absolviert. Sie hatten eine menschliche Pyramide gebaut, Lieder gesungen und Kopfstände gemacht. Denn schließlich ging es bei der Rallye ja auch um den Spaß. „Die Jungs sollen lockerer werden und einen schönen Tag haben”, sagt Van Teefelen.

Die gute Stimmung wollten sich die meisten Rallye-Teilnehmer auch vom einsetzenden Regen nicht vermiesen lassen. Und hätte es nicht die Ausfälle am Willy-Brandt-Platz gegeben, wäre es ein rundum gelungener Einstieg ins Studium geworden. Das war aber zum Glück der einzige unangenehme Zwischenfall, den die Polizei registriert hat.