Berlin: Ein Ehrenamt kann sich für Studenten auszahlen

Berlin: Ein Ehrenamt kann sich für Studenten auszahlen

Vorlesungen, Seminare, Klausuren und Praktika - Studenten haben meist einen vollen Zeitplan. Und doch kann es sich lohnen, auch mal über den Tellerrand zu schauen und sich ehrenamtlich zu engagieren. Das bringt nicht nur Abwechslung in den Unialltag, sondern tut auch dem Selbstbewusstsein gut.

Und vielleicht hilft es sogar der Karriere.

„Die Zahl der Studenten, die sich ehrenamtlich engagiert, ist im Laufe der vergangenen Jahre gesunken”, berichtet Eckhard Priller, Leiter der Projektgruppe Zivilengagement beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). So gaben bei dem Freiwilligensurvey im Jahr 1999 rund 46 Prozent der Studenten an, sich ehrenamtlich einzusetzen. „2009 waren es nur noch 40 Prozent.”

Der Wissenschaftler erklärt das sinkende Engagement unter anderem mit der Studienreform hin zu den Bachelor- und Masterstudiengängen. „Dadurch ist der Druck auf die Studenten gewachsen, und es bleibt weniger Zeit für anderes”, sagt Priller. Außerdem wechselten mittlerweile mehr Studenten während des Studiums den Hochschulort. „Auch das wirkt sich oft schlecht auf das ehrenamtliche Engagement aus, weil man sich meist erst einmal am neuen Studienort orientieren muss, bevor man den Kopf für andere Aktivitäten frei hat.”

Dabei kann ehrenamtliche Hilfe gleich mehrere Vorteile haben. „Man merkt, dass man mehr tut, als nur zu studieren und sich Wissen anzueignen. Durch das Engagement bringt man sich auch in die Gemeinschaft ein und stellt etwas Praktisches auf die Beine”, sagt Fachmann Priller. „Das steigert das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein.”

Schön sei auch, zu merken, dass man mit seinem Wissen aus dem Studium anderen Menschen helfen könne. „Wer zum Beispiel Lehramt studiert und ehrenamtlich Nachhilfe für sozial Schwächere gibt, kann sein pädagogisches Wissen anbringen und gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln”, betont Priller. Und nicht zu vergessen: „Man bekommt Kontakte zu Menschen außerhalb der Hochschule, zu denen man sonst vielleicht keinen Kontakt hätte, was wiederum das eigene Verständnis von der Gesellschaft und die soziale Kompetenz erhöht.”

Ehrenamtliche Tätigkeiten sind in verschiedenen Bereichen möglich. Wer zum Beispiel nicht nur über die Situation an der Hochschule meckern, sondern etwas verändern will, kann sich beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), der Interessenvertretung der Studenten, engagieren. „Dabei gibt es zwei Möglichkeiten”, erklärt Ben vom AStA der Freien Universität Berlin. „Entweder versucht man, in das Studierendenparlament gewählt zu werden. Oder man hilft ohne festen Posten im AStA mit.” So würden immer Helfer gesucht für Projekte, Veranstaltungen oder inhaltliche Arbeiten.

Außerdem gibt es zahlreiche Angebote außerhalb der Hochschule. Biologie-Studenten könnten sich zum Beispiel in einer Umweltgruppe engagieren, erklärt Priller. Jemand, der soziale Arbeit studiert, könne etwa bei Betreuungs- und Beratungsaufgaben helfen. „Andere wollen das Ehrenamt jedoch als Ausgleich machen und wählen sich bewusst einen fachfremden Bereich.”

Um die passende Ehrenamts-Stelle zu finden, können Studenten laut Priller in Frage kommende Unternehmen oder Organisationen wie die Caritas, die Diakonie, den Naturschutzbund oder kulturelle Einrichtungen direkt kontaktieren. „Möglich ist auch, über das Internet zu suchen oder sich von sogenannten Freiwilligenagenturen zu Angeboten in der Region beraten zu lassen.”

Nicht ganz unwichtig ist für viele dabei auch die Frage: Wie macht sich mein Engagement im Lebenslauf? „Das Engagement kann sich ausbezahlen”, ist sich Karriereberater Martin Wehrle aus dem niedersächsischen Jork sicher. „Erstens: Man reift charakterlich. Zweitens: Eine Signalwirkung geht davon aus.” Menschen, die bereit sind, sich außer der Reihe zu engagieren, sind auch als Mitarbeiter im Unternehmen gerne gesehen.

Ein Ehrenamt ist laut Wehrle im Lebenslauf besonders hilfreich, wenn es einen Zusammenhang zwischen dem Engagement und dem angestrebten Beruf gibt. Das verleihe einer Bewerbung mehr Glaubwürdigkeit, und man habe den anderen Abgängern Erfahrungen voraus. „Allerdings: Ein Ehrenamt sollte nicht nur als Sprungbrett für eine Karriere gesehen werden”, so Wehrle. Denn die Erwartungen, die man damit bei einem Arbeitgeber wecke, müsse man erfüllen. „Wenn der scheinbar sozial Engagierte sich als kalter Ellenbogenkarrierist erweist, wird das Befremden auslösen, wenn nicht gar eine Kündigung in der Probezeit.”

Zu seinem Wort stehen

Wer sich ehrenamtlich engagieren will, sollte zu seinem Wort stehen. „Verlässlichkeit und Vertrauen sind sehr wichtig für die Arbeit”, sagt Ben vom AStA der Freien Universität Berlin. Denn sonst funktioniere die gesamte Zusammenarbeit im Studentenausschuss nicht. Dabei muss man auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man nicht so irre viel Zeit hat, wie Eckhard Priller vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung betont. „Man sollte es nur am Anfang ehrlich sagen, dann kann man das meist gut miteinander abstimmen.”