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Aachen: Das Aachen-Barometer: Superprojekt Campus nimmt Fahrt auf

Aachen : Das Aachen-Barometer: Superprojekt Campus nimmt Fahrt auf

Zwei größere Projekte sind aus dem Aachen-Barometer verschwunden: Die Aachen-Münchener hat ihren 100-Millionen-Euro-Bau an Franzstraße und Borngasse vollendet, die Mitarbeiter sind schon eingezogen. Offiziell eröffnet wird das Direktionsgebäude des Versicherungskonzerns am 14. September.

Fertiggestellt ist auch die Flaniermeile zwischen Münster- und Bücherplatz. Das Projekt Fußgängerzone Ursulinerstraße ist somit abgeschlossen.

Somit rückt die Kinderbetreuung anstelle des AM-Direktionsgebäudes wieder auf den ersten Rang. Im Kindergartenjahr 2010/11 werden in Aachen 2668 Kinder zwischen drei und vier Jahren betreut, die ganz oder zeitweise von Elternbeiträgen befreit sind. Rund 1,7 Millionen Euro wird die Stadt in diesem Jahr voraussichtlich für das beitragsfreie Kita-Jahr ausgeben. 100 neue Kita-Plätze für Kleinkinder unter drei Jahren hatte die Politik beschlossen, 100 neue Plätze stehen für das Kita-Jahr 2010/11 bereit. Zwar sind nicht alle Plätze zum 1. August belegt worden, aber alle sind vergeben und werden bis Ende des Jahres auch genutzt.

Route Charlemagne

Aktuell gibt es 1583 U3-Plätze in Kitas, Spielgruppen und bei Tagesmüttern. Damit erreicht Aachen eine Versorgungsquote von 26,14 Prozent. In die Infrastruktur für die U3-Betreuung investiert die Stadt derzeit rund fünf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II.

Auf Platz zwei folgt die Route Charlemagne, die ersonnen wurde als Ersatzprojekt für das gescheiterte Bauhaus Europa. An vielen Stationen der Stadt soll Geschichte aus erster Hand präsentiert werden, werden Einheimische und Touristen je nach Themenbereich mit der großen Vergangenheit Aachens vertraut gemacht. Ankerpunkt und zentrale Anlaufstelle ist das Verwaltungsgebäude am Katschhof, das derzeit für 13 Millionen Euro saniert und umgebaut wird. 2012 sollen die Bauarbeiten beendet sein, so dass Fraktionen und Verwaltungsstäbe wieder einziehen können. Ein Jahr dauert es dann noch, bis die Ausstellungsräume für die Route Charlemagne hergerichtet und bestückt sind.

Campus Melaten

Auch das Superprojekt Campus Melaten hat Fahrt aufgenommen, mit Baggern und Kettensägen sind die Erschließungsarbeiten im Hochschulerweiterungsgebiet aufgenommen worden. Gerodet und planiert wird das hügelige Terrain für den großen Campus-Boulevard, der einmal das verkehrstechnische Herzstück der gewaltigen Forschungs- und Wissenschaftslandschaft werden soll.

Nach jüngsten politischen Interventionen soll es nun endlich vorangehen mit dem Umbau des Alten Hauptzollamts neben dem Hauptbahnhof, wo einmal die örtliche Inspektion der Bundespolizei mit am Ende 170 Mitarbeitern Unterkunft finden soll. Auch die Stadt Aachen war interessiert an dem Gebäude, um dort ein Hotel zu installieren, das scheiterte aber an finanziellen Gründen.

Ebenso den Sprung in die Rankingliste schaffte die CHIO-Brücke. Noch ist sie allerdings in der Diskussion. Günter Helten und seine Partner haben zwar eine Planung erstellt, die 1,9 Millionen Euro nicht übersteigen darf, aber noch laufen die Verhandlungen mit Sponsoren. Mitte September hofft der Architekt vom Büro Hahn Helten und Assoziierte Architekten GmbH, das Verfahren abgeschlossen zu haben, so dass mit dem Bau der Rad- und Fußgängerbrücke am Tivoli in wenigen Monaten begonnen werden kann.

Dritter Neueinsteiger in das Aachen-Barometer ist die vierte Gesamtschule. Im Juni 2009 legten CDU, SPD und Grüne ihre Pläne vorerst zu den Akten, nachdem die Bezirksregierung keine Genehmigung als Ganztagsschule in Aussicht stellte. Stattdessen arbeiten die drei Ostviertelschulen, die in der neuen Gesamtschule aufgehen sollten, nun im Schulverband Aachen-Ost zusammen. Die Kooperation von Geschwister-Scholl-Gymnasium, Hugo-Junkers-Realschule und Hauptschule Aretzstraße hat am 1. August mit dem Start des neuen Schuljahrs offiziell begonnen. Die Debatte um eine vierte Gesamtschule aber geht weiter. Dem Schulausschuss soll die Verwaltung noch im September einen Vorschlag zur Zukunft der weiterführenden Schulen vorlegen. Als eine mögliche Option steht im Antrag von CDU und Grünen ausdrücklich auch eine vierte Gesamtschule.

Für einigen Wirbel hat bislang die Sparliste der Verwaltung gesorgt. Der Personalrat kündigte Widerstand gegen die rund 140 Stellenstreichungen an. Es könne nicht sein, dass die gleichen Aufgaben künftig mit immer weniger Personal erledigt werden müssen. Dennoch: Zehn Millionen Euro will Oberbürgermeister Marcel Philipp in den kommenden vier Jahren einsparen. Für 2011 erhofft sich der OB Einsparungen in Höhe von knapp drei Millionen Euro.

Aachen hat die Talsohle offenbar durchschritten

Die sich andeutende Konjunkturerholung spiegelt sich auch in einigen wirtschaftlichen Kennzahlen für Aachen wider. So meldet die Agentur für Arbeit zur Jahresmitte eine Arbeitslosenzahl im Stadtgebiet von unter 13.000. Die Arbeitslosenquote liegt mit 10,7 Prozent um mehr als ein Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Arbeitgeber melden wieder mehr freie Stellen.

Auf dem Ausbildungsmarkt zeichnet sich ab, dass in diesem Jahr in etwa so viele Lehrverträge wie im vergangenen Jahr abgeschlossen werden. Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer zeigen sich zuversichtlich, allen Jugendlichen ein Angebot machen zu können. Gewerkschaften haben jedoch Zweifel und sagen, dass auf 100 Bewerber lediglich 76 freie Plätze kommen.

Schlecht steht es um den öffentlichen Haushalt. Die Stadt erwartet bei der Gewerbesteuer - wichtigste Einnahmequelle der Staat - einen deutlichen Rückgang. 138 Millionen Euro sind veranschlagt, rund elf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schulden steigen weiter.

Hochzufrieden sind hingegen die Tourismusexperten. Der starke Einbruch im Geschäftstourismus im Vorjahr wurde ausgeglichen. Der „aachen tourist service” meldet wieder deutlich steigende Gäste- und Übernachtungszahlen.