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Aachen: Cicero und Tacitus für Spätzünder: Latinum an der Uni

Aachen : Cicero und Tacitus für Spätzünder: Latinum an der Uni

„Hätte ich doch in der Schule Latein gewählt, dann könnte ich mir den Stress jetzt sparen!” Verspätete Einsichten dieser Art bekommt Hans-Peter Wallraff, Lateindozent an der RWTH Aachen, oft von Studenten zu hören.

Wallraff hat im vergangenen Wintersemester den „Lektürekurs Latein” unterrichtet und die Teilnehmer auf die Lateinprüfung bei der Bezirksregierung in Köln vorbereitet.

30 bis 50 Prozent der Studenten, die an der RWTH eine Sprache, Religionslehre oder Geschichte auf Lehramt studieren, haben das Latinum an der Schule noch nicht absolviert und müssen es „nachholen”.

Nun stehen - parallel zu ihren eigentlichen Studienfächer - mindestens zweimal wöchentlich Übersetzungsübungen einschließlich lateinischer Grammatik, römischer Geschichte, antiker Philosophie und Literatur auf dem Stundenplan.

Insbesondere „Latein III” und der „Lektürekurs”, die parallel zueinander unterrichtet werden, gelten als anspruchsvoll: Wenn hier die Autoren Cicero oder Tacitus übersetzt werden, müssen die Studenten über hohe Konzentrationsfähigkeit, Beherrschung sowohl der lateinischen als auch der deutschen Grammatik und die Fähigkeit zur Interpretation der klassischen Werke verfügen.

„Die Kurse verlangen viel Zeit- und Arbeitsaufwand. Studierende sollten wöchentlich zwischen sechs bis acht Stunden für die Vor- und Nachbereitung aufbringen, je nach Sprachtalent und Lernfähigkeit”, so Professor Raban von Haehling, Lateinbeauftragter der Philosophischen Fakultät und Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der RWTH.

Er rät den betroffenen Lehramtsstudenten, ab dem ersten Semester die vier aufeinander aufbauenden Lateinkurse - jedes Winter- und Sommersemester vom Historischen Institut angeboten - möglichst schnell zu absolvieren. Denn spätestens zur Zwischenprüfung muss das Latinum vorliegen.

„Sich über das Für und Wider des Lateins zu streiten, ist unsinnig - es ist Voraussetzung einiger Geisteswissenschaften und sollte deshalb von Anfang an in das Studium eingebaut werden. Zukünftige Studierende, die in der Schule noch nie oder nur wenig Latein hatten, müssen sich daher frühzeitig über die Bedingungen an ihrer gewünschten Universität informieren”, empfiehlt von Haehling.

Auch wer sich an der Aachener Hochschule für einen Magisterstudiengang entscheidet, muss in einigen Fächern mit der antiken Sprache rechnen.

Allerdings sind hier lediglich Lateinkenntnisse erforderlich, die in den ersten zwei Semestern erworben werden können. Abschließend gilt es, eine Klausur zu bestehen. Wegen der hohen Teilnehmerzahl der Magisterstudenten sind die ersten beiden Kurse oft überfüllt, und vor allem Latinumskandidaten, die hier wichtige Grundlagenkenntnisse für die weiterführenden Kurse erhalten, wünschen sich eine bessere Betreuung.

„Wir wollen trotz des zeitlichen Drucks ein angenehmes Unterrichtsklima schaffen. Nur dann besteht die Möglichkeit, dass Studierende das Latinum nicht als lästiges Pflichtprogramm abtun und von sich aus Zusammenhänge zwischen dem Lateinischen und ihrem Studienfach erkennen”, erklärt von Haehling.

So könne die lateinische Grammatik als Modell der romanischen Sprachlehren verstanden werden und das Studieren von Italienisch, Spanisch oder Französisch leichter machen.